Berlin : Fegen, schippen, abfahren

Um die Kastanien vor der Miniermotte zu retten, sucht der Senat freiwillige Laubsammler

Annette Kögel

Seit Freitag sind in Berlin wieder freiwillige Feger unterwegs: Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat die Berliner mit den Bezirken, der BSR, dem Pflanzenschutzamt sowie der Stöer-Plakatwerbegesellschaft zur herbstlichen Laubsammelaktion gegen die Miniermotte aufgerufen. Denn dem aus Ostasien eingeflogenen Schädling kann man nur mit Harke und Schubkarre entgegenwirken, sagten die Experten zum Auftakt der Aktion „Rettet unsere Kastanie!“.

60 000 Kastanien gibt es in Berlin, und alle sind befallen. Dieses Jahr fallen die Schäden allerdings geringer aus als 2003: Wo vergangenen Herbst gefegt wurde, sind die Bäume deutlich gesünder, sagt der Leiter des Pflanzenschutzamtes, Holger Schmidt. Auch der kühle, verregnete Frühsommer verhinderte das rasche Schlüpfen und Vermehren der ersten Mottengeneration. Und doch. Überall sind Schäden zu sehen, etwa an der Kastanienallee im Tiergarten gegenüber dem Haus der Kulturen der Welt.

Dort erleuchtete die Herbstsonne gestern die grünrotgelben Blätter – doch durch fast alle haben sich bis zu drei Larven-Generationen der nur fünf Millimeter kleinen Tierchen gefressen. Viele Blätter liegen seit Wochen braun-verkrümmt am Boden – in jedem einzelnen Blatt verbergen sich rund 300 Eier, das macht pro Kilo Laub 4500 Puppen – und sie überstehen selbst zweistellige Minusgrade im Winter problemlos. „Um die Ausbreitung im nächsten Frühjahr zu verhindern, gibt es nur eine Methode: Laubfegen“, sagte die Senatorin , die im Tiergarten mit anderen freiwilligen Helfern aus ganz Berlin demonstrativ zum Federbesen griff. Wenn alles Laub entfernt würde, lautet die Prognose der Fachleute, so könne man den Befall im nächsten Frühjahr um zwei Drittel reduzieren.

Eine berlinweite Bekämpfung der Miniermotte mit Pflanzenschutzmitteln sei wegen der unerforschten Nebenwirkungen nicht möglich, sagte Junge-Reyer. Zumal noch Jahre vergehen, bis entsprechende Mittel überhaupt begrenzt eingesetzt werden könnten. Für Chemiefirmen sind die teuren Forschungsreihen für neue Mittel nicht lukrativ, weil sie sie nicht in großen Mengen absetzen können. Der natürliche Fraßfeind, die Erzwespe, schafft es auch nicht allein, auch dies hat eine Forschungsreihe des Pflanzenschutzamtes ergeben.

Deswegen schickt die BSR nun wieder ihren 30 Mitarbeiter starken Miniermottentrupp auf die Straße, die Bezirksämter bitten ABM-Mitarbeiter, Sozialhilfe- und Hilfe-zur-Arbeit-Empfänger sowie Straffällige an die Besen. Und zudem sollen in den nächsten Wochen möglichst viele freiwillige Helfer die Motten kriegen.

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