Berlin : Fehde unter Partnern

An der Konkurrenz zwischen Berlin und Hamburg hat auch ein Kooperationsvertrag nichts geändert

-

Sie wollten immer nett und freundlich zueinander sein: Über Jahre besuchten sich die Senate aus Berlin und Hamburg regelmäßig und unterzeichneten freundschaftliche Abkommen. Kooperieren wollte man, nicht konkurrieren: Das fixierten die beiden Stadtstaaten schriftlich. Doch als im Mai 2001 Berlins damaliger Regierender Eberhard Diepgen (CDU) mit seiner Mannschaft den damaligen Hamburger Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) mit seinen Senatoren an der Alster traf, war von Entspannung keine Rede mehr: Der Umzug der Plattenfirma Universal Music von der Alster an die Spree war gerade beschlossene Sache – und die Hanse- auf die Hauptstadt ziemlich sauer.

Dann führten Ole von Beust (CDU) in Hamburg und Klaus Wowereit (SPD) in Berlin Regie, und Glamour wurde zur Chefsache – ebenso der Wettlauf um den Glamour. Während die Bambi-Gala zunächst von Berlin nach Hamburg zog, bekam Berlin den Zuschlag für den Musikpreis „Echo“. Beide Preise sind „Wanderpokale“, die an wechselnden Orten verliehen werden; dass aber die für den „Echo“ zuständige Phono-Akademie ihren Sitz an die Spree verlagerte, gefiel Hamburgs Bürgermeister gar nicht.

Trotzdem schlug Ole von Beust ein Fairplay-Abkommen vor: Vor drei Jahren unterzeichneten die beiden Landesregierungen einen Kooperationsvertrag. Hamburg und Berlin formulierten darin das Ziel, „in der Standortkonkurrenz auf nationaler und internationaler Ebene“ gemeinsam aufzutreten. Sie verpflichteten sich, „die Spielregeln eines fairen Standortwettbewerbs“ einzuhalten.

Nur wenig später, Anfang 2004, freute sich Berlin schon auf den Umzug des Warner-Konzerns an die Spree. Im letzten Moment allerdings konnte Hamburg das Unternehmen halten.

Zeitgleich formierte sich eine „Nordallianz“ gegen Berlin: Hamburg, Schleswig- Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollen bis heute verhindern, dass das Bundesverfassungsgericht Berlin 35 Milliarden Euro Finanzhilfen von Bund und Ländern zuspricht.

Die Konkurrenz hörte nie auf: Erst durch ein Machtwort von Angela Merkel (CDU) konnte Berlin Ende 2005 die Verlagerung der Konzernzentrale der Deutschen Bahn an die Alster verhindern. Und auch der neue Olympia-Wettkampf zwischen Berlin und Hamburg wird nicht die letzte Disziplin gewesen sein. sib

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben