Berlin : Feiern oder fahren

In der West-City soll zur WM 2006 ein Riesenfest steigen – auf autofreien Straßen. Das gefällt nicht jedem

Klaus Kurpjuweit

Vor Jahren hat es zu Weihnachten regelmäßig funktioniert. Zur Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Sommer soll es nach dem Willen der meisten Geschäftsleute nun nicht klappen: die temporäre Fußgängerzone auf einem kurzen Abschnitt des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße. Der Vorstoß des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf ist in der vergangenen Woche auf heftigen Protest gestoßen – vor allem bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Arbeitsgemeinschaft City sowie der Fuhrgewerbe-Innung. Diese befürchtet vor allem Nachteile für Busunternehmen, die Stadtrundfahrten anbieten.

Dabei ist noch gar nichts entschieden. Erst in dieser Woche will das Bezirksamt eine Ausschreibung starten, um einen Veranstalter für ein WM-Fest auf dem Breitscheidplatz – und möglicherweise auf den angrenzenden Straßen Kurfürstendamm und Tauentzien – zu suchen. Nur wenn in dem so genannten Interessensbekundungsverfahren ein schlüssiges Konzept gefunden werde, das auch Teile der Fahrbahnen einbezieht, würden die Straßen gesperrt, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Ein Fest werde es zudem nur geben, wenn der Veranstalter auch alle finanziellen Risiken übernehme. Vom Bezirk gebe es dazu „keinen Euro“.

Der Anspruch ist hoch. „Einen Abklatsch vom Ku’damm-Fest wollen wir nicht“, so Thiemen. Ihr schwebt eine Feier „rund um den Fußball“ vor – vielleicht mit einem kleinen Spielfeld auf der Straße, mit Kunsthandwerk und Folklore aus den an der Weltmeisterschaft teilnehmenden 32 Ländern.

Dann sei auch eine Sperrung des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße gerechtfertigt, sagt Thiemen. Die Fußgängerzone würde sich auf jeden Fall auf den Abschnitt zwischen Joachimstaler und Nürnberger Straße beschränken. Vom Veranstalter erwartet die Bürgermeisterin dann aber auch ein Verkehrslenkungskonzept.

Neu wäre die Sperrung nicht. Bereits von 1991 bis 1996 war dieser Abschnitt jeweils an den langen Advents-Sonnabenden für den Autoverkehr tabu. Nur Radfahrer und Busse der BVG durften im Schritttempo passieren. Für die damaligen Repräsentanten der Arbeitsgemeinschaft City war die vorübergehende Fußgängerzone vor Weihnachten angesichts der erwarteten Menschen- und Automassen nur „die logische Konsequenz“. Nach der Vereinigung der Stadt wurden besonders viele Besucher – und Einkäufer – aus dem Ostteil der Stadt und dem Umland erwartet, so wie sie nun erneut zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erwartet und erhofft werden.

1997 hatte das Modell dann ausgedient. Die Wendeeuphorie war verflogen; der Kundenandrang hatte nachgelassen. Nun wollte man wieder die motorisierten Kunden, die ins Umland gezogen waren, zum Einkaufen in die Stadt zurücklocken. Richtig belebt hat sich das Weihnachtsgeschäft dadurch allerdings auch nicht.

Denn auch schon während der Sperrung konnte man mit dem Auto zum Shoppen fahren. Alle Parkhäuser in dem Areal sind auch über Nebenstraßen gut zu erreichen. Auf dem vorgesehenen Sperrabschnitt gibt es lediglich drei offiziell ausgewiesene Parkplätze auf dem Mittelstreifen. Am Straßenrand darf nur zum Be- und Entladen gehalten werden. Nach wie vor stehen hier aber oft Dauerparker. Besondere Plätze sind für Stadtrundfahrtbusse ausgewiesen, die dann 30 Minuten stoppen dürfen. Meist parken dort in der Regel aber nur deren Ticketverkaufsfahrzeuge, die den Platz dann für andere Busse blockieren.

Konzipiert ist der Straßenzug Kurfürstendamm/Tauentzienstraße ohnehin nicht für den Durchgangsverkehr. Als Umfahrungsstrecke haben die Planer nach dem Krieg die Lietzenburger Straße ausbauen lassen.

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