Berlin : Feiern ohne Fahne?

Betrunkene Fans gelten bei der WM als größtes Sicherheitsrisiko. Deshalb wird jetzt ein Alkoholverbot für die Fanmeile gefordert

Jörn Hasselmann

Bier oder kein Bier – diese Frage bewegt seit zehn Jahren ganz Deutschland. Gerichte mussten sich mehrfach damit befassen, ob für Fans im Fußballstadion reines oder nur Dünnbier ausgeschenkt werden darf. Eine Woche nach dem Amoklauf eines alkoholisierten 16-Jährigen am Rande der Eröffnungsfeier für den Hauptbahnhof wird jetzt intensiv über die Alkoholfrage auf der Fanmeile gestritten.

Für die Polizei gelten alkoholisierte Fans als die größte Gefahr, die von der Fußballweltmeisterschaft ausgehen wird. Kritisch seien vor allem „spontane Fan-Partys“ mit „ungezügeltem Alkoholkonsum“, heißt es in einem Strategiepapier. Denn anders als im Stadion selbst lassen sich Fanmeilen und Videowände weitaus schlechter kontrollieren, dort muss sich die Polizei auf privaten Wachschutz verlassen.

Gutes Wetter, viel Bier, eine Niederlage – das ist die Mischung, die der Polizei Sorgen bereitet. Doch ein komplettes Alkoholverbot werde es nicht geben, hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch wenige Tage nach dem Amoklauf noch einmal bestätigt. Alkohol gehöre in Deutschland zu einer Feier „und die Händler müssen auch leben“, sagte Glietsch.

Wie es hieß, wäre die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni abgesagt worden, wenn die Händler kein Bier hätten verkaufen dürfen. Nur bei Risikospielen – wie Deutschland gegen Polen – könne man anordnen, nur alkoholarmes Bier zu verkaufen. Die Polizei hat aber durchgesetzt, dass harter Alkohol und Glasflaschen auf den Fanmeilen verboten sind. So wird auch in den Stadien verfahren. Dass bei Partien mit viel Konfliktpotenzial ausschließlich alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird, beruht auf einer Vereinbarung von Fifa und Polizei.

Bereits vor Wochen hatten die Berliner Grünen den Antrag gestellt, Fußballfans zur WM im Stadion und auf den Fanmeilen nur alkoholarmes Dünnbier zu gönnen. Dies sei das beste Mittel, um aggressive Fans zu bremsen, hatte die Abgeordnete Felicitas Kubala ihren Vorstoß begründet. Die Idee wurde von den anderen Parteien als „Schnapsidee“ und als „lebensfremd“ abgelehnt. „Wir können nicht 98 Prozent der Fans dafür bestrafen, dass sich wenige danebenbenehmen“, sagte Alexander Ritzmann von der FDP. SPD-Politikerin Heidemarie Fischer sagte, dass „feiern ohne Alkohol nur den halben Spaß macht“. Auch CDU-Innenpolitiker Frank Henkel ist gegen ein Alkoholverbot.

Dabei haben die Grünen offenbar die Bevölkerung hinter sich. Eine Studie der Universität Hohenheim, die im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war, hatte zwei große Ängste der Deutschen zur WM ausgemacht: Bier und bin Laden. Als größtes Sicherheitsrisiko hatten die 2400 Befragten „Terrorismus“ genannt, auf Platz zwei kamen „alkoholbedingte Ausschreitungen“.

Vielleicht wird ja der Preis den Durst dämpfen. Denn für einen Becher verlangen die Verkäufer auf der Straße des 17. Juni stolze 3,50 Euro. Immerhin: Das sind 50 Cent weniger als im Olympiastadion.

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