Feiertag am 500. Reformationstag : Berlin, Martin Luther und die 96. These

Wenn am 31. Oktober 2017 die ganze Republik frei hat, werden die Berliner womöglich arbeiten. Grund ist eine bislang unbekannte These Martin Luthers. Eine Glosse.

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Auch die beiden bekanntesten Protestanten Deutschlands werden am 500. Reformationstag vielleicht nicht frei haben. Foto: Julian Stratenschulte / dpa
Auch die beiden bekanntesten Protestanten Deutschlands werden am 500. Reformationstag vielleicht nicht frei haben.Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther bekanntlich 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen. Die 96. ist seltsamerweise unbekannt geblieben. Sie lautet: „Berlin aber lasse alle Hoffnung sinken“. Damals staunten die Theologen nur, heute wissen wir, was er damit meinte: Die Hauptstadt ist, was den Reformationstag als Nicht-Feiertag angeht, eine Insel im Meer der neuen Bundesländer geblieben. Vermutlich aus straffem Haushälter-Kalkül, denn ähnlich wie am Bußtag drängen die freien Brandenburger alljährlich am Reformationstag in Scharen in die Stadt, um die Händler und Geldwechsler in den Tempeln des Berliner Handels zu beglücken.

Nun ist aber für das Jahr 2017 die Vorlage Wolfgang Schäubles in der Welt, der uns allen, untypisch für einen Finanzminister, am 500. Jahrestag der Reformation frei geben möchte. Also nicht nur im Osten, wo ohnehin Feiertag ist, sondern auch im Westen des Landes. Wie die Deutsche Presse-Agentur ermittelte, will dieser Westen kollektiv mitziehen, „nur Berlin hat sich noch nicht positioniert“.

Berlin! Was ist denn da nun wieder los? Ist das runde Jubiläum einer originär deutschen Erfindung kein Grund für die Hauptstadt, eben dies gehörig zu feiern? Innezuhalten im Mahlstrom der Geschäftigkeit? Oder hängt der Vorgang nur am Machtvakuum in der Senatskanzlei fest? Wenn eine Prognose erlaubt sei: Michael Müller ist dafür. Er guckt jedenfalls immer so protestantisch.

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