Berlin : „Feiertag für Besinnung, Ruhe und Familie“

Kirchenprotest gegen Sonntagsverkauf. Handel dagegen freut sich über umsatzstärkstes Wochenende 2006

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So gut aussehend kann Protest sein: Anstatt zu jammern über die vielen verkaufsoffenen Sonntage macht die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz jetzt mit einem Positiv-Plakat auf sich aufmerksam und grüßt mit dem Slogan „Wir haben schon immer sonntags geöffnet. Sonntage bleiben Feiertage“. An 60 Orten in Berlin hängen seit Freitag Großflächenplakate, die dafür werben sollen, „die Sonntage als Ruhepunkte in einer unruhigen Zeit, als Tage des Gottesdienstes und als Tage der gemeinsamen Besinnung und Familie und Freundeskreis zu gestalten.“

Während die Plakataktion aus Kostengründen zunächst auf sechs Berliner Bezirke beschränkt wird, soll das Motiv mit dem attraktiven männlichen Fotomodell – ein passender echter Pfarrer war laut Sprecher Markus Bräuer auf die Schnelle nicht zu finden – in Gestalt von 2000 kleineren Plakaten auch in den übrigen Gemeinden der Landeskirche verteilt werden. Denn auch in Brandenburg wurde die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage erhöht. Und da damit gerechnet wird, dass weitere Bundesländer nachziehen, ist es gut möglich, dass die Kampagne, die von der Berliner Werbeagentur „Nordsonne“ gestaltet wurde, auch von weiteren Landeskirchen übernommen wird. Wobei Bräuer darauf hinweist, dass die Adventssonntage beispielsweise im CDU-regierten Niedersachsen „völlig tabu“ seien.

Die aktuelle Kampagne „Sonntage bleiben Feiertage“ ist nicht die einzige Aktion gegen die Ausweitung der Ladenöffnungszeit. Im kommenden Jahr soll die 1999 begonnene Kampagne „Ohne Sonntag gibt’s nur Werktage“ neu aufgenommen werden. Zudem prüft Landesbischof Wolfgang Huber verfassungsrechtliche Schritte gegen die verkaufsoffenen Sonntage.

Der Einzelhandel hingegen freut sich über die gewonnene Verkaufszeit. „Das dritte Adventswochenende war das umsatzstärkste Wochenende des ganzen Jahres 2006 – auch wegen der neuen Öffnungszeiten“, sagt Günter Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Man registriere bis zu 25 Prozent mehr Umsatz als an normalen Wochenenden. Vor allem in Einkaufszentren und bei Elektronikfachmärkten herrsche Euphorie. Winterkleidung und -sportgeräte dagegen seien auch diesmal „wie Blei in den Regalen liegen geblieben“.I.B./sve

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