Berlin : Feindliche Fans

Tatort Fanprojekt: Ein Treffpunkt von Herthanern wurde niedergebrannt

André Görke

Berlin - Heiner Brandi ringt noch um Fassung. Am Wochenende wurde die „Fanbaracke“ in Hohenschönhausen niedergebrannt. Das ist eine soziale Einrichtung des Senats und des Landessportbunds (LSB). „Wenn die Vorwürfe stimmen, reden wir nicht mehr von Rivalität, sondern von höchst kriminellen Straftaten“, sagt Brandi. Er ist Vorstandsmitglied im LSB und verantwortlich für die Sozialarbeiter des Fanprojekts, dessen Gebäude zerstört wurde. In der Baracke trafen sich Fußballfans aller Vereine, vor allem die Hertha-Anhänger „Harlekins“.

Wie berichtet, ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Nach dem Feuer wurde angeblich eine bengalische Fackel neben der Baracke gefunden; der Art, wie sie in den Stadionkurven gern benutzt werden. Auch wurde mit roter Farbe das Kürzel „U.N.V.E.U“ auf die Holzfassade gesprüht. Das steht für: „Und niemals vergessen: Eisern Union.“

Ein häufig geäußerter Verdacht richtet sich daher gegen Täter, die der sonst eher friedlich-alternativen Szene des 1. FC Union zugehören können. In Polizei- und Sicherheitskreisen werden Sorgen geäußert, dass „hier ein paar Jugendliche für eine Eskalation der Gewalt sorgen und sich bei den Älteren profilieren wollen“. Schon vor wenigen Wochen hatte eine Fangruppe von Union einen Hertha-Fanbus überfallen; und in der vergangenen Woche wurde in der „Fanbaracke“ eingebrochen. Gestern äußerten sich auch erstmals die Sozialpädagogen: „Die langjährige, erfolgreiche Arbeit des Fanprojektes erlitt durch diesen Brand einen schweren Rückschlag.“ Auch LSB-Vorstand Brandi versteht die Vorgänge nicht: „Die Fanbaracke ist ein neutraler Treffpunkt. Dort haben sich die Sozialpädagogen um alle Fans gekümmert – um die von Union, um die von Hertha. Und das seit Jahren.“ Ein Neubau für rund 300 000 Euro ist seit Längerem am Jahnsportpark in Prenzlauer Berg geplant. EU-Gelder wurden beantragt; der Senat soll laut Brandi rund 70 000 Euro zugesagt haben.

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