Feinstaub-Plakette : Umweltzone sperrt weitere 134.000 Autos aus

Das Fahrverbot in Berlin gilt ab 2010 auch für Wagen mit roten und gelben Plaketten. Besonders Nutzfahrzeuge müssen draußen bleiben – und auch neuere Pkw-Modelle.

Stefan Jacobs
Umweltzone Foto: ddp
Noch knapp 19 Monate, dann dürfen dieses Schild nur noch Autos mit grünen Plaketten passieren. -Foto: ddp

Knapp 100.000 Autos wurden durch die Einführung der Umweltzone aus der Berliner Innenstadt ausgesperrt. Ab 2010, wenn die zweite Stufe der Umweltzone in Kraft tritt, werden noch einmal weit mehr als 100 000 dazukommen. Vor allem Nutzfahrzeuge wird es treffen, wenn mit der zweiten Stufe der Umweltzone auch Fahrzeuge mit gelben und roten Plaketten aus der Innenstadt verbannt werden. Das ergibt eine Statistik der Umweltverwaltung, in der sich die Behörde jetzt einen Überblick über die ausgegebenen Plaketten verschafft hat. Laut der Statistik, die dem Tagesspiegel vorliegt, sind von knapp 1,2 Millionen verkauften Plaketten gut 38 000 rot und 96 000 gelb. Einzige Unsicherheit in der Statistik ist die ungeklärte Frage, wie viele Plaketten in Berlin und wie viele im Umland ausgegeben worden sind.

Ernst wird die Lage vor allem für Gewerbetreibende: Bis September 2006 sind Nutzfahrzeuge nach der Abgasnorm Euro III und ohne Dieselrußfilter – also mit gelber Plakette – zugelassen worden. Im Unterschied zur ersten Stufe in diesem Jahr werden ab 2010 also nicht nur die wirklich alten Stinker ausgesperrt, sondern nach Schätzungen aus der Wirtschaft die große Mehrheit der Nutzfahrzeuge.

Bekannt ist der Fall des Spandauer Unternehmens Haru Reisen, das Busse für bis zu 600 000 Euro pro Stück angeschafft hat, die über acht Jahre abgeschrieben werden müssen – also im Extremfall bis 2014. Auch viele Lieferwagen sind fast neuwertig, aber nach aktuellem Stand ab 2010 nicht mehr umweltzonentauglich. Hinzu kommt, dass die Nachrüstung von Nutzfahrzeugen mit zusätzlicher Abgastechnik mehrere tausend Euro kosten kann. Betroffen sind auch Pkw mit Dieselmotoren. Tröstlich für Autobesitzer sind allenfalls die mit 600 bis 700 Euro vergleichsweise geringen Kosten für die Filternachrüstung, wobei rund die Hälfte davon der Staat fördert. Sofern es überhaupt Nachrüstfilter gibt. Das Interesse der Autohersteller daran ist mäßig, weil sie lieber Neuwagen verkaufen wollen. Die Umweltverwaltung sondiert jetzt den Nachrüstmarkt. Nach Auskunft von Bernd Lehming, der das Referat Immissionsschutz leitet, will sich die Behörde bis Ende dieses Jahres einen Überblick verschafft haben. „Danach werden wir entscheiden, was den Betroffenen zugemutet werden kann.“

Offiziell gibt es noch keinen Plan B, aber nach Tagesspiegel-Informationen wird selbst im Senat nicht ausgeschlossen, Autos mit gelber Plakette eine Gnadenfrist zu geben, sofern sie sich nicht nachrüsten lassen. Die Besitzer von „roten“ Autos (Abgasnorm Euro I mit Filter oder Euro II ohne) dagegen dürften kaum eine Chance haben: Entweder sie kommen mit teurer Nachrüsttechnik auf „gelb“, oder sie müssen draußen bleiben.

Auch die Feinstaub-Richtlinie der EU zwingt den Senat zu handeln: Im April beschlossen die EU-Regierungen, langfristig einen zusätzlichen Grenzwert für noch kleinere Feinstaub-Partikel einzuführen. Diese stammen nach Auskunft von Experten vor allem aus Dieselmotoren.

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