Felix-Burda-Stiftung in Berlin : Eine Gala gegen Darmkrebs

Im Hotel Adlon wurden die Felix-Burda-Awards verliehen. Die Botschaft des Abends: Wer rechtzeitig zur Darmkrebsvorsorge geht, vermeidet ein tödliches Risiko.

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Hella von Sinnen, hier im riesigen Darmmodell, moderierte den Abend des 15. Felix-Burda-Awards.
Hella von Sinnen, hier im riesigen Darmmodell, moderierte den Abend des 15. Felix-Burda-Awards.Foto: promo

Die Zeit der blöden Sprüche ist schon lange vorbei. Schätzungsweise 90.000 Todesfälle durch Darmkrebs konnten bereits verhindert werden durch rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen, seit die Felix-Burda-Stiftung Anfang des Jahrtausends ihre Arbeit aufgenommen und dafür gekämpft hat. Da darf man schon mal ein bisschen feiern. Zum 15. Mal hatte Christa Maar zur Gala und Verleihung der Felix-Burda-Awards eingeladen. Bereits zum 9. Mal fand der Abend im Hotel Adlon statt.

Als Maar anfing, den Darmkrebs auch mit glamourösen Mitteln zu bekämpfen, stand sie vor einer echten Herkules-Aufgabe. Auf dem Sterbebett hatte 2001 der 33-jährige Sohn ihrem Ex-Mann, dem Verleger Hubert Burda, und ihr das Versprechen abgenommen, mit einer Stiftung dafür zu sorgen, dass anderen Menschen dieses Schicksal erspart werden kann. Hätte er von der familiären Vorbelastung gewusst, wäre er wohl schon mit 25 Jahren zur Früherkennung gegangen – und hätte geheilt werden können.

Früherkennung schützt vor Darmkrebs

Eine Gala gegen den Darmkrebs, das war am Anfang natürlich eine Steilvorlage für Comedians. Bis zu Giulia Enders Sachbuch-Bestseller „Darm mit Charme“ sollte es damals noch über zehn Jahre dauern. Christa Maar betonte freilich unermüdlich, dass Darmkrebs durch Früherkennung vermeidbar ist. Man muss nur beizeiten eine Darmspiegelung machen. Das sagte auch Jens Aschenbecker vom Bundesverband der Magen-Darm-Ärzte, der die Gäste am Sonntagabend in einem aufblasbaren Darmmodell begrüßte, das zum festlich geschmückten Ballsaal führte: Festlich mit rosa Blumengestecken gedeckte Tischen unter einer elegant gestalteten Bühne.

Klar, dass im Publikum ziemlich viele medizinische Kapazitäten saßen, die eine sehr konkrete Vorstellung davon hatten, welchen Weg Wachtelbrust und Kalbsfilet gehen, wenn sie vom Teller verputzt sind. Darüber redete nicht mal die fröhlich-freche Moderatorin Hella von Sinnen, die auch bunten Themen wie dem Nagellack von Verona Pooth oder der linken Sturm- und Drangzeit des Ex-Fußballers Paul Breitner nicht aus dem Weg ging.

Den großen emotionalen Moment, der zu einer gelungenen Gala unbedingt dazugehört, wagte Youtube-Doktor Johannes Wimmer. Er erinnerte daran, dass Felix Burda die Krankheit, der er so jung erlegen ist, durch sein Vermächtnis letztlich doch besiegt hat. Als ein Gast auf der Bühne sagte, er habe sich noch nicht untersuchen lassen, weil niemand die Kosten trägt, meldete sich ein Arzt aus dem Publikum, der ihn gratis untersuchen will. Immerhin haben seit 2002 rund sechs Millionen Menschen an Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen, wodurch etwa 200.000 Neuerkrankungen verhindert werden konnten.

Rate der Neuerkrankungen sinkt kontinuierlich

Christa Maar, die über die Jahre zu einer Expertin mit fundierten Kenntnissen gereift ist, findet die Teilnahmequoten an der Vorsorge zwar nach wie vor unbefriedigend, konnte aber trotzdem berichten, dass sowohl die Rate der Neuerkrankungen wie auch der tödlichen Verläufe kontinuierlich sinkt. Alarmierend findet sie die Nachricht aus den USA, dass dort die Zahl der Erkrankungen von Patienten im Alter zwischen 20 und 50 Jahren steigt. Gerade bei jungen Menschen mit familiärer Vorbelastung sieht sie Handlungsbedarf. Den Ehrenfelix, der zum ersten Mal verliehen wurde, bekam der erst 27-jährige Benno Wollmershäuser, der seit dem 20. Lebensjahr mit der Diagnose lebt, positiv damit umgeht und Sachen sagt wie: „Immer mehr Humor als Tumor.“

In der Kategorie „Engagement des Jahres“ gewann der Kölner Künstler Cornel Wachter, der vor sieben Jahren erkrankte, und eine große Aufklärungskampagne startete. Die will er, speziell an Migranten gerichtet, jetzt fortsetzen. Für vorbildliche betriebliche Prävention wurden das Technologie-Unternehmen Olympus und die Brauerei Neumarkter Lammsbräu ausgezeichnet. In der Kategorie „Medizin und Wissenschaft“ gewann ein Team der Erasmus-Universität Rotterdam und des Universitätsklinikums AMC Amsterdam für ein besonders effizientes und erfolgreiches Vorsorgeprogramm.

Finanzielles Einsparpotenzial für Versicherer

Natürlich ist das auch eine politische Gala, denn es gilt, neue Ziele zu erreichen. Heftiges Nicken kam von der früheren thüringischen Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU), als Christa Maar auf die Trägheit zuständiger Stellen eingeht, etwa bei der Erneuerung von alten Tests, für die es längst bessere Alternativen gibt. Auch der Vorstandsvorsitzende des Vereins Gesundheitsstadt Berlin, Ulf Fink, lauschte aufmerksam. BMW-Manager Hans-Reiner Schröder, langjähriger Unterstützer, beteiligte sich diesmal nicht nur mit Limousinen, sondern auch mit einem Scheck. Der renommierte Medizinprofessor Michael Manns lobte Christa Maar für ihr Lebenswerk.

Immer wieder wurde auf das Einsparpotenzial von rund 200.000 Euro pro verhindertem Fall für die Versicherer hingewiesen – wenn sie nur mehr Vorsorge finanzieren würden.

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