Berlin : Fels oder Klotz

Frank Henkel könnte CDU-Fraktionschef werden

Werner van Bebber

Manche halten ihn für einen groben Klotz. Andere sehen in ihm einen Fels im Meer der Politbeliebigkeiten. Frank Henkel, der wohl neuer CDU-Fraktionschef im Abgeordentenhaus wird, ruft solche Assoziationen hervor und kann gut damit umgehen. Den groben Klotz im guten Anzug gibt der Mann, der im Nebenberuf auch noch Generalsekretär der Berliner CDU und Kreischef von Mitte ist, immer gern im Innenausschuss. Da poltert Henkel, nebenbei auch innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, oft und gern, da gibt er derart den harten Typ, dass die Kolleginnen von der Linkspartei und den Grünen vor Empörung kaum noch an sich halten können.

Wenn es um das Thema Innere Sicherheit geht, das weiß Henkel, tut man in der CDU gut daran, nicht zu zimperlich daherzukommen. Sicherheit und Ordnung sind ihm ganz offenbar persönlich wichtig – sie gehören zu dem, was ein Staat zu leisten hat, dafür zahlen die Leute Steuern. Doch wäre Henkel nicht da, wo er ist, wenn sich sein Politikverständnis aufs Poltern beschränkte, aufs Bedienen der kleinbürgerlich-konservativen Wählerschaft, der es in Berlin in jeder Hinsicht viel zu unordentlich hergeht.

Viel interessanter an dem Mann mit dem Händedruck einer hydraulischen Schrottpresse ist sein Staatsverständnis. Über Werte, Erziehung, Ethik reden viele in allen Parteien immer wieder gern, weil es nichts kostet. Wenn es bei Henkel an das politische Glaubensbekenntnis geht, dann redet er von Freiheit.

Dass sein Reden dann ein fast amerikanisches Pathos bekommt, liegt an seinen Erfahrungen mit der Unfreiheit. Henkel, Baujahr 1963, wurde in Ost-Berlin geboren und ist dort aufgewachsen, in einer vom SED-Regime drangsalierten Familie. 1981 konnte er mit seinen Eltern die DDR verlassen; nach dreieinhalbjähriger Wartezeit war der Ausreiseantrag genehmigt worden. Selbstverständlich wahrt er die Form, wenn er mit der Linkspartei zu tun hat, aber zu Freundlichkeiten, wie sie etwa zwischen Sozialdemokraten und Sozialisten in Berlin üblich sind, lässt sich der schwere Mann nicht hinreißen.

Überhaupt wird man bei Henkel den Eindruck nicht los, dass er sehr oft genau das meint, was er sagt. Als Friedbert Pflüger neu in Berlin war, gehörte Henkel zu den Garanten eines neuen Gemeinschaftsgefühls in der Berliner Union. Als sich dieses Gefühl vor langen Monaten aufzulösen begann und einige der wichtigen Männer in der Partei ihre unterdrückten Fähigkeiten des Stichelns und Intrigierens wieder benutzten, blieb Henkel gegenüber Pflüger absolut loyal. Die Reise der Christedemokraten nach Jamaika wird er einstweilen nicht fortsetzen wollen. Aber er kann es schaffen, dass die CDU-Fraktion oppositionsfähig bleibt. Werner van Bebber

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