Berlin : Fenster nach Amerika

Der amerikanische Botschafter schickt Berliner Schüler aus Einwandererfamilien in die USA

Sandra Stalinski

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir, steht in lateinischer Sprache auf einem pompösen Wandgemälde in der Aula des Neuköllner Ernst-Abbe-Gymnasiums. Davor posieren die zehn glücklichen Elftklässler, die für einen Schüleraustausch in die USA ausgewählt wurden, für das Gruppenfoto. „Windows on America“ heißt das Programm, das Anfang des Jahres vom amerikanischen Botschafter William R. Timken und seiner Frau Sue initiiert wurde. „Es soll dazu beitragen, dass Amerikaner und Deutsche sich gegenseitig besser verstehen lernen“, sagte Timken gestern bei der Projektvorstellung in dem Neuköllner Gymnasium.

Vor allem Schülern mit Migrationshintergrund soll so die Chance gegeben werden, die Vereinigten Staaten kennen zu lernen. „Ich kann für jeden einzelnen dieser Schüler sagen, dass sie auf anderem Weg nicht die Möglichkeit hätten, eine solche Reise zu machen“, sagt Uta Jankwitz, eine der beiden Lehrerinnen, die die Schülergruppe begleiten wird. Am 3. Oktober brechen sie zu ihrer zehntägigen Reise auf. Die erste Station ist New York, wo unter anderem ein Besuch von Ground Zero auf dem Programm steht, dem Gelände, auf dem vor den Anschlägen des 11. September 2001 das World Trade Center stand. In Des Moines und Washington werden die Schüler neben einem ausführlichen Bildungsprogramm amerikanische Familien und Schulen besuchen: „Wir stoßen in unserem Alltag ständig auf irgendetwas, das mit Amerika zu tun hat. Jetzt freuen wir uns darauf, das mal aus erster Hand kennen zu lernen“, sagt Serhat Topal, ein Teilnehmer aus der Gruppe, zu der Schüler mit acht verschiedenen Nationalitäten gehören.

Das Ernst-Abbe-Gymnasium ist die erste Berliner Schule, die an dem Austauschprogramm teilnimmt. Ausgewählt wurde sie vor allem wegen ihres hohen Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund. Der liegt bei 82 Prozent.Wer von den Elftklässlern mitfahren darf, wurde durch einen Essaywettbewerb entschieden. Die zehn besten Beiträge zum Thema „My Window on Amerika“ wurden ausgewählt. Die US-Botschaft erhofft sich durch den Schüleraustausch, Vorurteile auf beiden Seiten abbauen zu können und so bei den Jugendlichen dieser Generation eine positivere Sichtweise auf Amerika anzuregen. Auch sollen langfristige Partnerschaften zwischen deutschen und amerikanischen Schulen entstehen. Für das nächste Jahr sind bereits zwei weitere Reisen mit Schülern anderer deutscher Städte und anderer Schulformen geplant. Außerdem soll auch eine Schülergruppe aus den USA nach Deutschland zu Besuch kommen. Wie viele solcher Reisen möglich sein werden, hängt von den Sponsoren ab. Die Kosten des Projekts werden nämlich von deutschen und amerikanischen Firmen wie Citibank, Cerberus Deutschland und Delta Air Lines getragen.

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