Berlin : Fenster ohne Rahmen

Der Anfang fürs Schloss ist gemacht. Alles weitere wird fraglicher

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„Mit der Rekonstruktion der Schlossfassade kann es losgehen“, sagte gestern Architekt Rupert Stuhlemmer und präsentierte der Öffentlichkeit erfreut das rekonstruierte SchlüterFenster. Es ist nach seinen Forschungsarbeiten entstanden. So hatten sie früher ausgesehen, die Fenster am Stadtschloss. Maße und Formen wurden mit Hilfe von Computertechnik und Messbildaufnahmen präzise ermittelt. „Zur Rekonstruktion brauchen wir Akten, Aufmaße, Fotos und Originalsteine. „Da die Schlossbauakten vernichtet sind, mussten wir uns anderweitig behelfen“, sagte Stuhlemmer. Die Bildhauer hätten jetzt verlässliche Vorlagen, nach denen sie ein Fenster und ein Relief nach dem anderen fertigen könnten.

Ob daraus etwas wird, ist allerdings fraglicher denn je: 80 Millionen Euro für die Fassade will Wilhelm von Boddien vom „Förderverein Berliner Schloss“ mit privaten Sponsorgeldern zusammenbekommen, um die historische Fassade des Berliner Stadtschlosses zu rekonstruieren. Ein Internetportal, auf dem der Besucher „Schlossbausteine“ kaufen kann, soll helfen. „Für die Dresdner Frauenkirche wurden 100000 Euro gespendet. Und die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses ist noch mehr eine nationale Aufgabe“, gibt sich der Bremer Kaufmann optimistisch.

Das große Problem jedoch ist nicht die Fassade, sondern der Bau an sich. Nach dem von der Expertenkommission Historische Mitte im April 2002 vorgestellten Konzept sollen 80 Prozent des Gebäudes kulturell genutzt werden, unter anderem von den Staatlichen Museen zu Berlin, der Humboldt-Universität und der Landeszentralbibliothek. Als Gegenstück zur Museumsinsel solle, so die Kommission, auf dem Schlossplatz ein „Forum Außereuropäischer Kulturen“ entstehen. Ein Bundestagsbeschluss vom 4. Juli 2002 bestätigte das Konzept und setzte eine Arbeitsgemeinschaft ein. Sie sollte Nutzungs- und Finanzierungsfragen klären. Besonders die Finanzierung war trotz des Vorschlags, den Bau durch staatlich abgesicherte Aktien zu bestreiten, ungeklärt.

Die auf 590 Millionen Euro geschätzte Bausumme wird aber auf absehbare Zeit nicht vom Bund aufgebracht werden können. Bundesfinanzminister Hans Eichel favorisiere deswegen ein Konzept, nach dem 80 Prozent des Baus von privaten Investoren finanziert werden. Nur 20 Prozent des Schloss-Neubaus sollten kulturellen Projekten vorbehalten bleiben, sagte Klaus-Dieter Lehmann von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Damit herrsche erneut eine „offene Situation“ zwischen Bundesfinanzministerium und künftigen Nutzergruppen. „Natürlich ist es kein günstiger Zeitpunkt, um mit der Bebauung zu beginnen“, gibt auch Lehmann angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage zu.

Zuvor wollen Stiftung und Förderverein gemeinsam eine Info-Box am Schlossplatz aufbauen. Die Kosten dafür sollen privat aufgebracht werden. Von Boddien verspricht sich davon mehr Akzeptanz für den Schlossbau: Wenn man erst einmal die Bilder und Computersimulationen sehe und auch Sandsteinreliefs, -säulen und -figuren anfassen könne, werde vielleicht die Skepsis gegenüber dem Projekt verfliegen. casp/til

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