Fenstersturz von Tänzerin : Ehemann in Untersuchungshaft

Der Ehemann der toten "Afrika! Afrika!"-Tänzerin bestreitet, seine Frau aus dem Fenster gestürzt zu haben. Der Senegalese war einem Ermittlungsrichter vorgeführt worden.

Berlin - Bei diesem Termin verkündete der Richter den Haftbefehl wegen Totschlags, der bereits am Donnerstag erlassen worden war. Anschließend kam der Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Die ebenfalls aus dem Senegal stammende Tänzerin des Zirkusprojekts von André Heller war am Donnerstagmittag nach einem Sturz aus dem achten Stockwerk eines Apartmenthauses in der Paul-Zobel-Straße gestorben. Eine ehemalige Künstlerbetreuerin erhob inzwischen Vorwürfe gegen die Zirkusleitung. Eine Sprecherin und die Artisten von "Afrika! Afrika!" wiesen die Kritik gegen den afrikanischen Zirkus zurück.

Nach einem Bericht des "Berliner Kurier" wurde die Tänzerin noch nach dem Fenstersturz malträtiert. Ein Zeuge habe beobachtet, wie ein Mann sich über die Frau beugte und ihren Kopf hart auf den Boden schlug. Der Leichnam weise schwere Kopfverletzungen auf, die nicht vom Sturz stammten, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Obduktionsbericht. Zudem sei mehrere Male mit einem Messer auf die Frau eingestochen worden.

Vorwürfe von ehemaliger Künstler-Betreuerin gegen Zirkus

Die frühere Künstlerbetreuerin der Tanztruppe, die anonym bleiben möchte, bemängelte in einem ddp-Gespräch, Tänzerinnen und Tänzer aus fast 30 verschiedenen afrikanischen Nationen würden in einer für sie zumeist ungewohnten Kultur mit ihren Problemen weitgehend allein gelassen. Dazu komme, dass die Künstler auch dann tanzen mussten, wenn sie krank gewesen seien.

Die Zirkus-Sprecherin entgegnete, drei Betreuer kümmerten sich um das internationale Ensemble. Sie gingen mit den Künstlern zum Arzt, begleiteten sie bei Einkäufen und beim Gang zu Behörden und Banken. In einer Erklärung der Tänzerinnen und Tänzer hieß es, der Zirkus habe sich auf Wunsch der Künstler "nach kurzer Zusammenarbeit" von der Betreuerin getrennt, "weil wir nicht mit ihrer Arbeit zufrieden waren". Dass sie dem Ensemble jetzt in einer so schweren Zeit "in den Rücken fällt, spricht für sich selbst," betonte der künstlerische Leiter, Georges Momboye.

Der ehemaligen Betreuerin zufolge mangelt es den Tänzern jedoch besonders an der psychologischen und religiösen Betreuung. Sie selbst habe im Februar gekündigt, weil die Zirkusleitung wegen ihres Einsatzes für die Künstler zu viel Druck auf sie ausgeübt habe. (tso/ddp)

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