Ferienende für Wowereit : Zwischen Osaka und Drogenknast

Mit dem Hoffest im Roten Rathaus gingen Klaus Wowereits idyllische Ferien zu Ende. Jetzt holt ihn der Justizskandal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ulrich Zawatka-Gerlach
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Wieder da. Der Regierende landete sandft im politischen Alltagsgeschäft. -

Darf man das? Den Gästen sagen, dass sie „Privilegierte sind und sich freuen dürfen, hier zu sein“. Klaus Wowereit fragte nicht, ob er das darf, sondern erzählte auf dem Hoffest am Dienstagabend in einer überaus knappen Eröffnungsrede: Viele Menschen hätten angerufen, die nicht auf der Einladungsliste standen und meinten, das müsse ein Missverständnis sein. Aber in den Hof des Rathauses passen nur 3000 mehr oder weniger „important persons“. Und der Regierende Bürgermeister genoss es mal wieder, als Gastgeber äußerst begehrt zu sein.

So ist er nun mal.

Ansonsten beschränkte sich Wowereit darauf, „ein wunderbares Dankeschön für die wunderbaren Künstler“ auszusprechen, schließlich ist das Hoffest des Landes Berlin ein gesellschaftliches Ereignis. In diesem Jahr jedenfalls war die politische Klasse in der Unterzahl. 2007 ist ja auch wahlkampffrei; selbst die Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten hatten es nicht nötig, massenhaft Präsenz zu zeigen. Das wird 2008 anders sein.

Jamaika war auch nicht da. Friedbert Pflügers Flugzeug hatte Verspätung. Da zog es der CDU-Fraktionschef vor, den Rest des nasskalten Abends mit der Ehefrau zu verbringen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner fehlte – ohne Begründung. Nur die Grünen zeigten auf dem Hoffest starke Präsenz. Gleich zu Beginn der Party verwickelte Renate Künast, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, den Berliner Regierungschef in einen launigen Zank über Hofbegrünung und Pandabären – und sparte nicht an Kritik am Berliner Justizskandal.

Ein Thema, das Wowereit auf den Boden der Tatsachen holte, nach den idyllischen Sommerferien. Frisch aus Osaka zurück, wo er die Fahne für die Leichtathletik-WM 2009 abholte, sah er etwas zerstrubbelt aus – und müde vom Jetlag. Im Bilde war er trotzdem. Wer glaubt, der ewig misstrauische Regierende Bürgermeister würde der Justizsenatorin Gisela von der Aue das „volle Vertrauen“ aussprechen, ohne die Sachlage im Detail zu kennen, der irrt. Wowereit ließ sich noch nie in das Unglück anderer Politikerkollegen hineinziehen, selbst wenn sie Genossen sind. Von Japan aus hatte er viel mit Berlin telefoniert. An erster Stelle mit dem SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller, der ein wenig schmallippig über den Rathaushof lief.

Wenige Stunden zuvor hatte sich der SPD-Fraktionsvorstand die Parteifreundin, die für die Justizaffäre verantwortlich zeichnet, zur Brust genommen. Anfangs war die Stimmung geteilt, am Ende wurde der Bericht von der Aues akzeptiert. Auch im Senat, der ebenfalls am Dienstag tagte. Gleichmütig nahm Wowereit zur Kenntnis, dass die Opposition nun mit gutem Schwung aus den Ferien startet. Rot-Rot soll sich die klamme Kälte des frühen Herbstes gar nicht erst aus den Kleidern klopfen können.

Da zuckt Wowereit mit den Schultern. Fürs Meckern ist die Opposition doch da, sagt er in solchen Fällen gern. Er muss erst einmal die Asien-Pazifik-Wochen eröffnen; die geballte Wirtschaftsmacht Asiens kommt für zwei Wochen nach Berlin. Und das neue, hochmögend besetzte Berlin-Board soll dem Marketing für die Hauptstadt neuen Drive geben. Das interessiert den Regierungschef. Manchmal müssen die Genossen darauf achten, dass er ihnen nicht zu weit entschwebt. Jenen Gästen, die es auf dem Hoffest lange aushielten, wurde am Ausgang ein „Nachtmagazin“ in die Hand gedrückt, mit frisch gedruckten Feierbildern. Auf dem Titelfoto die strahlenden Ehrengäste aus Berlins ältester Partnerstadt Los Angeles, in der Mitte ein Wowi in Präsidentenpose. Die Überschrift: „Berliner Zugpferde.“ Ulrich Zawatka-Gerlach

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