Berlin : Ferienzeit – Vandalenzeit

S-Bahn freut sich über den Schulbeginn und hofft, dass die Schäden jetzt weniger werden

Jörn Hasselmann,Klaus Kurpjuweit

Bei der S-Bahn freuen sich die Mitarbeiter, dass in der kommenden Woche wieder die Schule beginnt. In den Ferien leidet sie nämlich besonders unter Vandalismus. Auch in diesem Jahr habe es in den sechs Wochen der schulfreien Zeit eine Zunahme vor allem bei den Schmierereien gegeben, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Und weil wegen Bauarbeiten ein komplizierter Betriebsablauf erforderlich ist, fuhren die beschmierten Züge stundenlang über die Gleise. Sonst werden solche Züge schnell aus dem Verkehr genommen.

In den Sommermonaten seien die Schmierer aktiver – weil das Wetter besser sei und weil Ferien seien, bestätigte Kriminaloberrat Mario Hein. Er ist Chef der „Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Graffiti“, die aus Beamten der Polizei und des Bundesgrenzschutzes besteht, der die Rolle der Polizei bei der Bahn hat. Schmierer versuchten, große Flächen zu besprühen, sagte Hein weiter. Vorwiegend nutzen sie dabei Abstellanlagen, in denen sie ihre „Werke“ auf den Zügen auftragen. Es gebe etwa 100 Kehr- und Abstellanlagen bei der S- und U-Bahn, unterirdisch und oberirdisch. Durch die Videoüberwachung vieler Bahnhöfe seien die Schmierer in die Abstellanlagen verdrängt worden. Die BVG, die nach Angaben ihres Sprechers Klaus Wazlak keine Zunahme der Schmierereien in den Ferien festgestellt hat, hat in den meisten Anlagen Infrarotkameras installiert, die Alarm auslösen, wenn Unbefugte über die Gleise schleichen. Die S-Bahn lässt ihre Anlagen durch Personal bewachen.

Beliebtestes Ziel der Schmierer seien Züge, sagte Hein, weil sie den „Erfolg“ der nächtlichen Arbeit quasi durch die Stadt fahren. Der harte Kern aus etwa 200 bis 300 Tätern sei geradezu gierig darauf, dass ihre „Tags“ und Bilder gesehen werden. Viele fotografierten ihre „Werke“ und sammelten sie in Alben oder stellten sie ins Internet, heißt es bei der Kripo – das erleichtere dann die Ermittlungen. Denn wenn bei einem auf frischer Tat Ertappten ein solches Album gefunden werde, seien viele Taten auf einen Schlag aufgeklärt. So komme die hohe Aufklärungsquote von 60 Prozent zustande. 95 Prozent der Täter seien männlich, zusammengeschlossen haben sie sich in 30 bis 100 in der Szene so genannten „Crews“ (auch „Cru“ genannt). Viele kommen nach Erfahrungen der S-Bahn aus einem bürgerlichen Elternhaus.

Pro Jahr ermittele die Spezialeinheit in etwa 6000 Fällen, sagte Hein weiter. Etwa 1000 Täter werden jährlich festgenommen, die statistisch 3600 Mal geschmiert haben. Diese Zahlen seien seit Jahren konstant, so Hein. Die Ermittlungsgruppe besteht seit zehn Jahren.

„Der Respekt gegenüber dem Gemeineigentum sinkt stetig weiter“, klagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Die S-Bahn gibt jährlich etwa vier Millionen Euro aus, um mutwillig angerichtete Schäden zu beseitigen. Sie appelliert an die Politik, Eltern und Lehrer, das Problem ernst zu nehmen.

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