Berlin : Fernreisen? Aber sicher

Reisemediziner raten dringend zu Impfungen. Leichtsinn kann in den Tropen tödlich sein

Ingo Bach

Der Rat der Berliner Tropenmediziner ist eindeutig: „Jeder, der in ein Entwicklungsland reisen möchte, sollte sich vorher über gesundheitliche Risiken, Impfempfehlungen und gesundheitspolizeiliche Bestimmungen informieren“, sagt Tomas Jelinek, Vize-Direktor des Berliner Tropeninstituts. Gerade in diesen Ländern bestehe eine große Gefahr, sich mit Magen-Darm-Krankheiten zu infizieren. Der beste Schutz sei eine Impfung.

Rucksack- und Abenteuertouristen sind gefährdeter als Pauschaltouristen, die die meiste Zeit am Badestrand verbringen. Jelinek nennt als Beispiel Wildwasser-Touren in Nordthailand. In diesen Flüssen treten massenhaft Bakterien auf, die gefährliche Darmerkrankungen auslösen können. Manchmal aber sind es Pauschaltouristen, die das höhere Risiko tragen: etwa in Nepal. Bei Höhen-Wanderungen stelle sich immer wieder heraus, dass Hobby-Bergsteiger den Belastungen nicht gewachsen sind. Das Ergebnis: Jeder fünfte Nepal-Tourist wird höhenkrank.

Nicht jeder Arzt kennt sich mit den vielen Infektions- und Erkrankungsmöglichkeiten aus. Deshalb bildet das Berliner Tropeninstitut jährlich rund 30 niedergelassene Ärzte in der Reisemedizin weiter. Nach diesen zweimal zweitägigen Kursen erhält der Doktor ein Zertifikat und kann damit auch werben. Die Reisemedizin ist eine fachübergreifende Spezialisierung. Wenn ein Urlauber zum Beispiel plant, den Kilimandscharo zu besteigen, dann kann er sich an dessen Fuß das Westnilfieber oder die Schlafkrankheit einfangen und an seinem Gipfel unter der Höhenkrankheit leiden. Zu beidem muss der Reisemediziner etwas sagen können. Und wenn nicht, weiß er zumindest, wo er nachschlagen kann.

Das gilt auch für die Vielzahl von Schutzimpfungen, mit denen sich ein Urlauber gegen Infektionskrankheiten schützen kann. Eine „Hepatitis A-Impfung“, die die Tropenmediziner für fast jedes Reiseland im Süden empfehlen, kann man sich noch kurz vor dem Abflug verpassen lassen. Das sei eine typische „Last-Minute-Impfung“. Anders ist es bei der gefährlicheren Hepatitis B. Die Immunisierung muss mindestens vier Wochen vor Reisebeginn verabreicht werden. Trotzdem: „Eine sehr kurzfristig gebuchte Last-Minute-Reisen ist keine Ausrede, sich vorher nicht impfen zu lassen“, sagt Jelinek. Auch dann sollte man sich für bestimmte Länder die Zeit für eine Beratung nehmen.

Die größte reisemedizinische Beratungsstelle nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Europa, ist das Berliner Tropeninstitut selbst. Jährlich bis zu 35 000 Besucher informieren sich hier, lassen sich von einem Tropenarzt untersuchen und impfen. „Auch wenn wir eine Hotline anbieten, so beraten wir bei speziellen Fragen extrem ungern telefonisch“, sagt Jelinek. Denn ein Arzt müsse seinen Patienten immer persönlich sehen.

Der Besuch beim Reisemediziner und auch manche Impfung ist Privatsache, die der Reiselustige selbst zahlen muss. So kostet die Konsultation am Tropeninstitut neun Euro. Auch die anderen Reisemediziner müssen privat bezahlt werden.

Berliner Tropeninstitut: Telefon 301166

www.fitfortravel.de (mit Suchfunktion für Reisemediziner) / www.tropenmedicus.de (Allgemeine Informationen)

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