Berlin : Fernsteuerung fürs Flaggschiff

KaDeWe-Direktor Volker Weihe geht mit 59 in Rente – und das Haus wird künftig vom Vorstand in Essen geleitet

Bernd Matthies

Führungswechsel an der Spitze des schönsten und größten deutschen Kaufhauses: Volker Weihe, seit 1997 Verkaufsdirektor und damit faktisch Chef des KaDeWe, geht zum Jahresende mit nur 59 Jahren in Pension. Einen Nachfolger für ihn wird es nicht geben, denn der Karstadt-Konzern hat den Betrieb direkt seinem Vorstand unterstellt: Thomas Freude, das für Marketing und Vertrieb zuständige Vorstandsmitglied, wird ihn künftig von Essen aus führen. Die operative Leitung bleibt in den Händen von Patrice Wagner, der im vergangenen Jahr von Galeries Lafayette in der Friedrichstraße gekommen war und als 1.Geschäftsführer firmiert, sowie bei seinen Kollegen Bettina Ahranjani und Norbert Könnecke.

In der am Freitag verbreiteten Karstadt- Mitteilung hieß es, der Vorstand würdige die berufliche Leistung Weihes und danke ihm für sein „großes Engagement beim Erhalt und Ausbau der internationalen Spitzenstellung des KaDeWe“. Weihe selbst war nicht erreichbar, er ist am Donnerstag in Urlaub gefahren. Zu Informationen, er sei nicht auf eigenen Wunsch in den Ruhestand gegangen, gab es bei Karstadt keine Stellungnahme. Konzernsprecher Elmar Kratz sagte lediglich, viele Top-Manager gingen mit 59 in Rente, was ein ganz normaler Vorgang sei.

Die Personalentscheidung, die gerüchteweise schon seit einiger Zeit erwartet wurde, ließ jetzt Spekulationen über die Zukunft des KaDeWe laut werden. Soll es, wie in der Presse bereits gemutmaßt wurde, vom Shopping-Tempel eigener Kategorie zum Karstadt de Luxe herabgestuft werden? Kratz bestritt dies am Freitag entschieden. Das Haus sei das Flaggschiff des Konzerns, und an seiner Sonderstellung werde „in nullster Weise gerüttelt“, sagte er. Insbesondere sei nicht daran gedacht, das Sortiment einzuschränken oder die Kompetenzen der hauseigenen Einkäufer zugunsten des Karstadt- Zentraleinkaufs zu beschneiden. Möglich sei allenfalls, dass einzelne Artikel auf anderem Wege günstiger beschafft werden.

Gleich lautend äußerte sich auch KaDeWe-Sprecherin Dagmar Flade. Sie verwies darauf, dass sich das Kaufhaus auf seine Hundert-Jahr-Feier im Jahr 2007 vorbereite. Schon deshalb wäre es widersinnig, das Niveau zu senken und dem Haus seinen „Solitärcharakter“ zu nehmen, sagte sie. Das KaDeWe hat gegenwärtig rund 2000 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von ca. 300 Millionen Euro. „Das Haus ist weiterhin eine cash cow des Konzerns“, sagte Kratz, also einer der wichtigsten Geldbringer, und es habe unter den schwierigen Rahmenbedingungen der Branche noch am wenigsten gelitten. Von massiven Umsatzeinbußen, die gelegentlich gerüchteweise kolportiert wurden, könne keine Rede sein, und es gebe deshalb auch keinerlei Pläne für Entlassungen.

Volker Weihe stand 43 Jahre lang im Dienst des Karstadt-Konzerns, als Substitut, Einkäufer und Abteilungsleiter in verschiedenen Städten. Später war er Geschäftsführer des Karstadt-Hauses am Hermannplatz und wurde 1995 Verkaufsdirektor für Süddeutschland; seit 1997 leitet er das Flaggschiff des Konzerns. Er sitzt ehrenamtlich im Präsidium des Unternehmerverbands Berlin-Brandenburg, ist Vizepräsident des Einzelhandelsverbands Berlin und Vorsitzender des LAG-Handelsverbandes, zudem Sprecher der Initiative Kurfürstendamm und Vorstand der AG City West. Diese Ämter werde er auch weiter innehaben, hieß es.

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