Berlin : Ferrari-Fan darf vorerst nicht fahren

Kerstin Gehrke

„Das Fahrgefühl ist einfach unbeschreiblich", schwärmte der Angeklagte. „Du merkst jeden Fussel auf der Straße." Doch lange ging es mit Harald L. und dem feuerroten Ferrari nicht gut. Von dem Männertraum blieb am Ende nur ein Haufen Schrott. Bei der Probefahrt mit dem 380 PS starken Flitzer war der 60-jährige L. auf der Yorckstraße auf die Gegenfahrbahn geraten und auf ein Wohnmobil geprallt. Wegen des Unfalls mit sechs Verletzten musste sich der Mann aus Schöneberg gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Harald L. ist eigentlich nicht der Typ, den man sich als Ferrari-Fahrer vorstellt. Der grauhaarige Heizungsbauer kam in Jeans und einer aus der Mode gekommenen Sommerjacke in Taubenblau zum Prozess. „Ich bin noch nie zu schnell durch Berlin gefahren“, versicherte er der Richterin. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber trat er als Fahrer des 130 000 Euro teuren Sport-Cabrios wie ein rücksichtsloser Raser aufs Gaspedal. Ein Zeuge soll die Geschwindigkeit auf Tempo 100 geschätzt haben. Der Angeklagte schüttelte den Kopf. „Der Wagen war noch kalt, ich habe den zweiten Gang nicht reingekriegt, Zwischengas gegeben – da ist er mir weggerutscht.“ Als er gegenlenken wollte, sei er auf die Gegenfahrbahn geraten. Dann sei da das Wohnmobil gewesen.

Die fünf Insassen des Wohnmobils, darunter zwei Kinder, erlitten leichte Verletzungen. Harald L. lag mit einem kaputten Knie wochenlang im Krankenhaus. Der Sachschaden wird auf rund 100 000 Euro geschätzt. Seit dem Unfall hat sich der Ferrari-Fan nicht mehr hinters Steuer gesetzt. Die Verletzung hindere ihn, sagte er. Aber auch die Psyche. Trotzdem will er um seinen Führerschein, den er gestern während der Verhandlung vorerst abgeben musste, kämpfen. Zu einem Urteil kam es noch nicht. Weil Zeugen fehlten, muss der Prozess im Oktober neu aufgerollt werden.

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