Berlin : Fesselballon bittet um Starterlaubnis

Ministerium prüft Antrag auf Ausnahmegenehmigung für Hi-Flyer. Kaum Chancen für Touristenflüge

Rainer W. During

Nach massiven Protesten gegen das umstrittene Flugverbot über der Berliner Innenstadt erwägt das Bundesverkehrsministerium eine Ausnahme für den Aussichtsballon am Potsdamer Platz. Es werde geprüft, ob für Fesselballone, deren Seil eine noch festzulegende Länge nicht überschreitet, auf Antrag eine Sondergenehmigung erteilt werden kann, sagte eine Sprecherin. Wie berichtet, muss seit gestern selbst der populäre Hi- Flyer am Boden bleiben. Allein beim Betreiber, dem Air Service Berlin, sind 40 Arbeitsplätze in Gefahr. Nach der Pro & Contra-Umfrage des Tagesspiegel vom Sonntag halten 83 Prozent der Anrufer das Sperrgebiet für sinnlos.

Die Berliner Luftfahrtbehörde hat einen Ausnahmeantrag des größten Berliner Rundflugunternehmens Air Service Berlin an das Verkehrsministerium weitergeleitet. Die Anträge werden geprüft, hieß es im Verkehrsministerium. Für den Sicherheitsaspekt sei das Innenministerium zuständig.

Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ist für den Verbleib des Hi-Flyers als Touristenattraktion am Potsdamer Platz, so ihre Sprecherin. Auch bei gewerblichen Rund- und Fotoflügen sollte „ernsthaft geprüft werden, was möglich ist“. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kann das Startverbot für den Ballon „nicht nachvollziehen“, sagte sein Sprecher Bernhard Schodrowski. Auch sonst müsse es Verhandlungsspielraum und begründete Sondergenehmigungen geben. Insbesondere dann, wenn Rundflugpassagiere so wie andere Fluggäste kontrolliert würden. Vorrang habe ohnehin die Sicherung von Flugplätzen und Flugzeugen am Boden. Auch die Deutsche Lufthansa bedauerte das Flugverbot, von dem auch ihre Oldtimer betroffen sind. „Es wäre schade, wenn die Ju 52 nicht mehr über Berlin ihre Kreise ziehen dürfte“, sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.

Beim Air Service, der auch den Rosinenbomber und das Wasserflugzeug betreibt, wollten gestern viele Kunden wissen, was aus ihren bereits gebuchten Rundflügen wird. Indessen musste auch das Verkehrs-Beobachtungsflugzeug am Boden bleiben. „Es sieht sehr problematisch aus“, sagte Geschäftsführer Frank Hellberg.

Unbefriedigt äußerten sich Vertreter von Luftfahrtverbänden, die gestern von einem Referatsleiter im Verkehrsministerium empfangen wurden. Das Innenministerium sei trotz entsprechender Zusage nicht vertreten gewesen, klagte Michael Erb, Geschäftsführer des Verbandes der Allgemeinen Luftfahrt AOPA. Sein Fazit ist, dass es wohl keine Ausnahmen für gewerbliche Rundflüge geben wird. Zum Berliner Sperrgebiet gab es keine Diskussionsbereitschaft, sagte auch Ursula Kirsch vom Deutschen Aero-Club. Das Flugverbot war am Freitag ohne Anhörung der Vereine erlassen worden. Auslöser dafür war der Absturz eines Leichtflugzeugs vor dem Reichstag am 22. Juli.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben