Berlin : Fest im Sattel

Polo-Pferde sind ausgeglichen – sagen Polo-Spieler. Jetzt nehmen erstmals Jugendliche an einem Trainings-Camp teil

Anne Seith

„Jaa, schieb sie weg“, brüllt Trainer Wolf Jage, als Moritz auf seiner Stute über die Wiese prescht. Den Blick fest auf den kleinen Ball am Ende des Spielfelds gerichtet, den Schläger hoch in die Luft gestreckt, lehnt sich der Elfjährige mit aller Kraft gegen die neben ihm her galoppierende Reiterin, drängt sie zur Seite. Plötzlich zeichnet der lange Poloschläger in seiner Hand einen Kreis durch die Luft, ein weißer Punkt schnellt über den Platz – getroffen.

„Das ist das Schwerste“, sagt Moritz, als er schnaufend und mit nassverklebtem Haar vom Pferd steigt. „Es dauert bestimmt ein halbes Jahr, bis man einen Poloball im Galopp erwischt.“ Moritz Barckhausen ist einer der 24 Teilnehmer des ersten Deutschen Jugend-Polo-Camps im Polopark Seeburg. Unter der Anleitung des Spitzenspielers Thomas Winter und anderer Pololehrer lernt der Junge in dem viertägigen Lehrgang alles über das in England und Argentinien so beliebte Mannschaftsspiel. „Die Nachwuchs-Förderung fehlte beim Polo in Deutschland bisher völlig“, sagt Inge Schwenger, eine der Organisatorinnen. Jedes Jahr soll es das Trainings-Lager deshalb von nun an geben. Das heute stattfindende Abschlussturnier soll nächstes Jahr zu den ersten Deutschen Jugendmeisterschaften werden. So soll der Sport, der in Deutschland nach wie vor als Sport der Reichen und Adligen gilt, aus der Nische der Randsportarten herausgeführt werden.

Seinen Ruf trägt das Polo nicht ganz zu unrecht. Schon die Ausrüstung ist mit einigen Kosten verbunden: 120 bis 230 Euro für den Helm, etwa 100 Euro für die Knieschützer, 75 Euro kosten der Schläger, die häufig kaputt gehen. Die Jugendlichen im Camp können Knieschützer und Schläger jedoch für 50 Euro ausleihen. Auch sonst hat man sich bemüht, die Kosten moderat zu halten: 300 Euro kostet das Jugend-Camp, wenn ein Pferd gemietet wird, kommen noch 200 Euro hinzu.

Während Moritz und einige anderen Spieler weiter das „Abreiten“ – das Wegdrängen des Gegners – üben, stellt die Fortgeschrittenen-Gruppe auf einem anderen Feld eine Freistoßsituation nach. Kaum fliegt der Ball über das Polofeld, stürmen ihm die Spieler mit weit nach vorne gebeugten Oberkörpern hinterher. Immer enger drängen die acht Pferdekörper zueinander, kleine Erdfetzen fliegen zwischen den Pferdehufen in die Luft, ein halb lautes Trommeln hängt über dem Spielfeld.

„Man kommt manchmal schon auf Geschwindigkeiten von 40 bis 60 Kilometern pro Stunde“, sagt Inge Schwenger und lacht. Ob das nicht gefährlich sei? „Man muss die Regeln einhalten“, antwortet Thomas Winter. Nicht umsonst gehören täglich mehrere Theoriestunden zum Programm, und alle Spielsituationen werden zunächst zu Fuß nachgestellt. So wissen die Jugendlichen, bevor sie aufs Pferd steigen, genau, aus welcher Höhe man wann schlagen darf oder wer bei Strafstößen quer über das Feld reiten kann. So soll das Risiko, zusammenzustoßen oder von einem Ball getroffen zu werden, minimiert werden. Auch bei den Pferden für die Jugendlichen habe man auf Sicherheitsaspekte Rücksicht genommen, sagt Winter. „Alle Tiere haben viel Erfahrung. Und Polopferde werden speziell gezüchtet, die haben immer ein ausgeglichenes Gemüt.“ Blaue Flecken und Prellungen gebe es aber öfter.

Wenn man Moritz fragt, was ihm an der rasanten Sportart so gefällt, antwortet er nicht, „das Gefühl, wenn man volle Karacho auf den Ball zugaloppiert“, wie Carolina. Statt dessen setzt er zu einer begeisterten Rede über spannende Spielsituationen an, die er dabei mit flinken Fingern vor sich in die Wiese malt. Angst vor Stürzen hat der Nachwuchs-Spieler keine, sagt er. Da hält er es wie seine Team-Kollegin Carolina. „Wenn man runterfällt, muss man schnell wieder aufsteigen.“

Das Abschlussturnier ist heute im Polopark Seeburg, Scholle 4, ab 16 Uhr, der Eintritt ist frei; weitere Informationen bei Inge Schwenger unter der Telefonnummer (0172) 3939178.

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