Festival : Das große Zeichnen - vor fünf Jahren

Mit Bleistift oder Filzer: Das Zeichenfestival „The Big Draw“ wollte vor fünf Jahren die Kreativität der Berliner wecken. Wer sich für unbegabt hielt, konnte dort seine Hemmungen fallen lassen. Was Eva Kalwa darüber schrieb.

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Vom Leben gezeichnet. Festivalimpression aus dem Jahr 2009.
Vom Leben gezeichnet. Festivalimpression aus dem Jahr 2009.Foto: promo/Rossa

Menschen mit Schaufelhänden, Häuser mit krummen Wänden, blaue Bäume und lachende Blumen – Kinderzeichnungen berühren und beglücken gerade wegen ihrer Fantasiefülle. Doch irgendwann kommt für die meisten Menschen ein Bruch: Plötzlich schämen sie sich: „Ich habe einfach kein Talent“, heißt es dann. Am Wochenende können Erwachsene solche Hemmungen fallen lassen – dann findet zum zweiten Mal das Zeichenfestival „The Big Draw Berlin“ statt.

Die Idee stammt aus England und wurde bereits nach New York und Australien exportiert: In Museen und Galerien, in der U-Bahn, in Cafés oder im Botanischen Garten können Besucher gemeinsam mit Künstlern zeichnen. Die meisten der Aktionen richten sich an Erwachsene und erfordern keine Anmeldung. „Es geht dabei nicht um das Ergebnis, sondern um den Prozess, die gemeinsame kreative Arbeit“, sagt Festivalleiterin Anna Chrusciel, die das „große Zeichnen“ bei einem England-Aufenthalt kennengelernt und 2009 nach Berlin gebracht hat.

Die 34-jährige Charlottenburgerin versteht Zeichnen in erster Linie nicht als Kunstschaffen, sondern als elementare Ausdrucksform, die beim Denken hilft und die Kreativität anregt. Bei der Premiere 2009 war das Festival noch in die Lange Nacht der Museen integriert, und Chrusciel war vom spontanen Zuspruch der Besucher begeistert. „Genau das ist unsere Idee: Man beginnt zu zeichnen und ist aktiv, anstatt bloß zu rezipieren.“.

Um die Vielfalt der Technik aufzuzeigen, stehen nicht nur Papier und Bleistift zur Verfügung, sondern auch Textmarker, Faserstifte sowie Schere und Kleber für Collagen. Beim „Linien-Organisations-Ballett“ auf dem Alexanderplatz werden gar lange Bänder verwendet, um Linien zwischen Passanten, Gebäuden und Plätzen zu ziehen und den Stadtraum neu erlebbar zu machen. Außerdem kann man unter anderem sein eigenes Daumenkino, Werbeplakate und einen Papiergarten gestalten, an einem Animationsfilm mitwirken oder an einem Comic-Spaziergang teilnehmen. Die Aktionen werden durch Buchvorstellungen, Diskussionsrunden und eine Abschlussparty im Grünen Salon der Volksbühne ergänzt.

Darüber hinaus hat sich das Festival mit seinen „Satelliten-Projekten“ längerfristige Ziele gesetzt. So mit regelmäßigen Zeichen-Angeboten in Kitas und der „Wunschbörse“, einer Tauschbörse für Obdachlose, die zeichnend ihre Wünsche darstellen. Die Zeichnungen können von Interessenten gegen Erfüllung des Wunsches erworben werden. Selbst eine Radiosendung soll Anfang November aufgezeichnet werden. „Wir möchten, dass Zeichnen einen Weg zurück in den Alltag von Erwachsenen findet“, sagt Chrusciel. Auch sie habe im letzten Jahr wieder viel öfter zum Bleistift gegriffen.

Freitag bis Sonntag an rund 20 Orten. Programm und weitere Infos auf www.thebigdrawberlin.de oder unter Tel. 36410261

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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