Berlin : Festliche Gala im Zeichen der Toleranz Preisverleihung im Jüdischen Museum

Claudia Keller

Die festlichen Abendroben spiegelten sich in den Ausstellungsvitrinen des Jüdischen Museums. Seide und Samt aus dem 19. Jahrhundert begegneten Seide und Samt aus dem 21. Jahrhundert, und es wirkte, als würde die Gesellschaft von gestern Abend das vergangene großbürgerliche Leben der jüdischen Familien Manheimer, Mosse und Strousberg fortsetzen. Die rund 300 Gäste waren gekommen, um bei der Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz dabei zu sein, den das Museum dieses Jahr zum dritten Mal vergeben hat.

Bevor Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Laudatio auf Altbundespräsident Johannes Rau hielt, ehe der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf Versandhauskönig Michael Otto würdigte, spazierte man beim Empfang mit Wein und Canapees durch die aktuelle Ausstellung „Stil(l)halten“, die die Schicksale einiger jüdischer Familien erzählt. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement unterhielt sich mit Hans-Olaf Henkel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, plauderte mit dem katholischen Theologen Hans Küng. Danach nahm man an 27 festlichen gedeckten Tischen Platz.

Schröder würdigte Johannes Rau als einen Politiker, der sich gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus einsetze, gleichzeitig aber schon immer vor einem romantisch-schwärmerischen Blick auf Ausländer gewarnt habe. „Wir dürfen uns nicht in einen Kampf der Kulturen zwingen lassen. Es gibt keinen Bedarf für Kreuzzüge“, sagte Schröder mit Blick auf die Ausschreitungen in den Niederlanden. Christina Rau nahm die Auszeichnung für ihren Mann entgegen, der sich nach den Operationen der vergangenen Wochen zu schwach fühlte, um den Preis selbst entgegen zu nehmen.

Michael Otto erhielt den Preis für seine tolerante und umweltfreundliche Unternehmenspolitik. Applaus bekam er dafür von den Gästen der Gala – unter anderem dem Bundespräsidentenpaar Horst und Eva Köhler.

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