Berlin : Festspiele für Franziskaner

Franziska van Almsick schwimmt Weltrekord - die Fans, die live dabei sind, weinen vor Glück

NAME

Von Tanja Buntrock

Alle Blicke wandern zu der silbernen Badekappe. Franziska van Almsick trägt sie, und die 4500 Zuschauer in der ausverkauften Schwimmhalle an der Landsberger Allee wollen jede Regung, jeden Atemzug, den „ihre“ Franzi macht, mitbekommen.

Auf der Großbildleinwand werden van Almsicks Konkurrentinnen im Finale über 200 Meter Freistil der Schwimm-Europameisterschaft 2002 eingeblendet. Als Franzis über die Lautsprecher ertönt, tobt die Halle. Schreien, Tröten, Klatschen. Gold wird sie holen in ihrer Lieblingsdisziplin, und wenn’s geht, eine Weltrekord-Zeit schwimmen, da sind sich die Fans schon vor dem Rennen sicher.

Und Franzi? Was muss in ihr jetzt vorgehen?, werden sich viele von ihnen wohl fragen - jedenfalls deuten das die teilweise bangen Mienen der Mitfiebernden an, als sie zum Startblock geht. „Die Schwimmerinnen bekommen kaum noch was mit, die sind ganz bei sich“, sagt Stefanie Heller. Sie ist Hostess und begleitet die Athletinnen zu ihren Startblöcken. „Die gucken durch einen durch, so konzentriert sind die“, weiß sie aus Erfahrung. Dabei gebe sie sich immer solche Mühe zu lächeln, um die Sportlerinnen zu beruhigen.

Franzi habe die Nacht gut geschlafen, hatte ihre Managerin Regine Eichhorn zwei Stunden vor dem Wettkampf verkündet. Da saß ihr Schützling schon im Mannschaftsbus, der sie vom Forum Hotel am Alexanderplatz zur Wettkampfhalle fuhr.

Währenddessen verzweifelten massenweise Fans vor der Halle. Kurz entschlossen und angesteckt von Franzis Erfolgen der vergangenen Tage waren sie hergefahren, um sie live zu sehen. Vergebens. Seit Tagen sind die Tickets, die normalerweise zwischen 15 und 30 Euro kosten, ausverkauft. Auf dem Schwarzmarkt seien bis zu 80 Euro für das Finale geboten worden.

Wer seine Karte rechtzeitig gekauft hat - für wieviel Geld auch immer -, erlebt etwas Phänomenales: Franzi schwimmt am vorletzten Finaltag einen sensationellen Weltrekord (1:56,64) und holt die Goldmedaille. Als die Zeit auf der Anzeigetafel aufblinkt, wandelt sich die Schwimmhalle schlagartig zum akustischen Hexenkessel. Das Kreischen in der Arena wird so laut, dass jedem bange um sein Trommelfeld wird. Franzi schlägt die Hände erst vors Gesicht, dann auf die Wasseroberfläche - wie ein kleines Kind. Erneut kreischen die Fans. Als sie aus dem Becken steigt, wirft sie sich erschöpft auf den Boden.

Bei der Siegerehrung, als die Nationalhymne erklingt, wird kurz Franzis Mutter auf der Leinwand eingeblendet, auch sie weint. Und Franzi auf dem Treppchen sowieso. Bei so viel Rührung bleiben auch die Augen ihrer Anhänger nicht mehr trocken.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar