Fête de la Musique : Katerstimmung nach der Party

Nachdem die langjährige Organisatorin des Musikfests überraschend hinschmiss, ist die Zukunft des beliebten Musikfestivals ungewiss.

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Abgedreht. Bei der Fête de la Musique wird ganz Berlin zur Bühne.
Abgedreht. Bei der Fête de la Musique wird ganz Berlin zur Bühne.Foto: Promo

Die Zukunft der Fête de la Musique liegt nach dem Rückzug der langjährigen Organisatorin Simone Hofmann im Ungewissen. Zwar wird von allen Seiten ein Loblied auf die alljährlich am 21. Juni gefeierte Veranstaltung gesungen, auch eine langfristigere Finanzierung mit mehr Planungssicherheit deutet sich an. Aber wer künftig die Stadt zum Singen bringt, ist bis auf Weiteres nicht absehbar.

In diesem Jahr hatte das Festival in Berlin bereits seine 23. Auflage. An 116 Orten lockten nach französischem Vorbild Konzerte von mehr als 700 Bands, Ensembles und Solisten diverser Stilrichtungen. Zehntausende erfreuten sich an den Gratisklängen. Tags darauf kam dann, wie berichtet, der kalkulierte Knall: Angesichts der „seit Jahren andauernden unsystematischen Finanzierungspraxis durch das Land Berlin“ stehe sie für eine weitere Organisation der Fête nicht mehr zur Verfügung, gab Simone Hofmann bekannt, die diese Aufgabe seit Anbeginn übernommen hatte. Seit Jahren hangele sich die Fête – wie auch andere etablierte Veranstaltungen, etwa der Karneval der Kulturen – von einer Zwischenfinanzierung zur nächsten, beklagte sie sich. Hinzu komme der überraschende Zuständigkeitswechsel von der Kulturverwaltung zur Senatskanzlei und zurück.

70 Prozent der Fête-Finanzierung wurde in den vergangenen acht Jahren von der Lotto-Stiftung getragen, für die jüngste Veranstaltung waren im Oktober 2016 insgesamt 88 000 Euro bewilligt worden. Dazu kamen alljährlich Mittel des Landes, zuletzt 35 700 Euro. Die Lotto-Finanzierung sei auf Dauer bei einer Veranstaltung, die letztlich eine des Landes sei, aber nicht möglich, erläutert Daniel Bartsch, Sprecher der Senatskulturverwaltung, die Probleme des bisherigen Verfahrens. In Absprache mit der damals zuständigen Senatskanzlei hatte Hoffmann für 2018 keinen neuen Antrag auf Lotto-Mittel gestellt. Noch im Frühjahr 2016 war ihr per Schreiben mitgeteilt worden, „dass angestrebt wird, nach dem Wegfall der Zuwendung durch die Lotto-Stiftung ausreichend Mittel im Landeshaushalt bereitzustellen“.

Nach der Abgeordnetenhauswahl war die Zuständigkeit ins neu geschaffene Senatsressort Kultur gerutscht, doch Hofmann, vermisst noch immer klare Aussagen zur Finanzierung. Es sei ungewiss, ob die Fête im Haushaltsentwurfs der Kulturverwaltung enthalten sei. Auch werde der Doppelhaushalt erfahrungsgemäß erst im Spätherbst verabschiedet. Hofmann ist das zu spät.

Die Kulturverwaltung strebt jedoch gerade eine höhere Planungssicherheit an. Man wolle das Festival unbedingt halten, sagte Bartsch. Geplant und im Koalitionsvertrag festgeschrieben sei ein im Etat der Kulturverwaltung verankerter Festivalfond. Im Entwurf des Teilhaushalts der Kulturverwaltung ist dieser laut Bartsch bereits aufgenommen, vorbehaltlich der Zustimmung des Senats, der am 11. Juli über den Doppelhaushaltentwurf entscheiden will. Beschlossen wird der Haushalt dann im Herbst durchs Abgeordnetenhaus. Finanziell dürfte die Fête also auch 2018 gesichert sein. Stellt sich nur die Frage, wer das Geld dann ausgeben wird. Andreas Conrad

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