Berlin : Fetzig-frischer Mozart-Sound der Kammerphilharmonie Berlin mit Oral-Sex-Szene

Frederik Hanssen

Jetzt pflegt sie ihre Neu-Rosen wieder im Schlosspark-Theater: Mozarts "Gärtnerin aus Liebe". Nach der Freilufttour während der Sommerpause ist die musikalische Verwechslungskomödie um falsche Grünflächenpflegerinnen und wankelmütige Grafen nach Steglitz zurückgekehrt, wo sie bis zum 21. September in doppelter Besetzung über die schmale Bühne geht (täglich außer montags und donnerstags, 19.30 Uhr). Die Kammerphilharmonie Berlin ist noch mit vollem Engagement dabei, so dass Andreas Schüller keine Schwierigkeiten hat, einen scharfkantig akzentuierten, fetzig-frischen Mozart-Sound zu realisieren. Gerade 18 Jahre war Mozart alt, als er die Oper komponierte - und das hört man bei Schuller auch: neben den Momenten, die die Meisteropern vorausahnen lassen, wird auch deutlich, wo Mozart sich an traditionellen barocken Regeln der Gefühlsdarstellung orientiert. Abgesehen von einigen Spannungs-Hängern in den von Heribert Sasse langatmig inszenierten Dialogen überzeugt die Solistentruppe rundrum: Vor allem Lisa Löfqvist ist als erste Sigrid-Löffler-Parodie der Musikgeschichte umwerfend (und lässt vielversprechendes dramatisches Potential hören). Barbara Ferun ist ein very sexy Stubenmädchen, das von Gerald Schön feurig angeflirtet wird, Susanne Serfling und Christoph Wittmann rühren als romantisches Paar, Angelika Kirchhof versilbert die undankbare Hosenrolle des Don Ramiro mit gesangstechnischen Raffinessen. Einziger Schwachpunkt: Von der unangenehm aus dem Rahmen der konventionellen Inszenierung fallenden Oral-Sex-Szene wollte Sasse trotz einhelliger Kritik auch in der Wiederaufnahme nicht lassen.

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