Berlin : Feuchtfröhliche Mini-Karawane

300 Kinder zogen zum Auftakt des Karnevals der Kulturen durch den Kreuzberger Regen

Thomas Loy

Das kleine Mädchen Ganze sitzt auf dem rollenden Buddy-Bären an der Spitze des Zuges. Vielleicht ist es auch das Ende. So genau weiß ihr Papa das nicht. Über die Zugrichtung des Kinderkarnevals der Kulturen gehen die Meinungen bis zuletzt auseinander. Das Organisationskomitees versucht verzweifelt, eine Reihenfolge festzulegen. Zehn Minuten vor dem Start äußern die ersten Kinder ein deutliches Hungergefühl. Der Kinderkarneval 2006 fordert von Mensch und Material das Äußerste. Und auch von den Optimisten.

Man musste ein sehr sonniges Gemüt haben, um es nicht gemein zu finden, dass den ganzen Morgen die Sonne schien und ab Mittag auf den Kinderkarneval der Kulturen dann zwar feiner, aber unendlicher Regen herabfiel. Doch während es auf dem Festplatz am Blücherplatz bis zum Nachmittag eher leer war, und höchstens die Saftbars – farblich und musikalisch auf Copacabana-Sonne eingestellt – Umsatz machten, zeigten die rund 300 Kinder auf ihrer Tour vom Mariannenplatz zum Görlitzer Park, wie man bei Regen gute Laune behält. Ein unbedingtes Vorbild, falls beim heutigen Umzug der Großen (s. Grafik) das Wetter ähnlich ist.

Das mit dem Regen sei schon Tradition, sagt Walid (13), der Schlagzeuger der Kinderband „Teenitus“ vom Kinderbauernhof am Görlitzer Park. Schlimmer sei, dass seine Trommel beim Transport kaputt gegangen ist. „Am besten gleich eine neue kaufen“, findet Walid, aber einer der Papas, zückt schon das Klebeband. Klebeband war ohnehin immer gut, wenn die teils sehr aufwändigen Verkleidungen Auflösungserscheinungen zeigten. Viele Kinder waren als Vögel unterwegs, weil der Kranich in diesem Jahr der Schirmherr ist. Die Kinder vom „Jam Work Out e.V.“ hatten trotzdem einen dicken Kugelfisch mit Muschelschuppen gebastelt und die Karnevalisten vom „Statthaus am Böcklerpark“ haben sich für eine giraffenhafte „Punkerschnecke“ entschieden. „Die gibt es nur in Kreuzberg“.

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