Berlin : Feuer im Altersheim: Ein Toter, vier Verletzte

Achtzig Bewohner retteten sich oder wurden von der Feuerwehr herausgeholt – Kritik am Brandschutz

Jörn Hasselmann

Bei einem Brand in einem Tiergartener Seniorenheim ist gestern Abend ein Rentner ums Leben gekommen. Vier Menschen erlitten Rauchvergiftungen. Das 40 Quadratmeter große Appartement des Verstorbenen im dritten Stock des privaten Heimes an der Bachstraße brannte aus. Wie das Feuer ausbrechen konnte, war gestern noch unklar. Die Feuerwehr kritisierte allerdings, dass Brandschutztüren mit Holzkeilen blockiert gewesen seien, so dass sie nicht zufallen konnten. Deshalb habe sich der Rauch schnell im Gebäude verteilen können. Auch Rauchmelder gab es nach Auskunft der Feuerwehr nicht.

Rund achtzig Feuerwehrleute in ihren blauschwarzgelb Anzügen, zahlreiche Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr – sogar der Zug der Höhenrettung mit seinem Teleskopkran war sicherheitshalber angerückt: Auf der Bachstraße gab es gestern Abend einen Großeinsatz, die Straße nahe der S-Bahn war gesperrt. Zwölf Beamte waren ins Haus vorgedrungen, um Menschenleben zu retten. Die Feuerwehrmänner halfen neun Senioren auf die Straße, hatten ihnen Fluchthauben aufgesetzt – Kopfbedeckungen, die gegen Rauch schützen. Einige der achtzig Bewohner konnten selbst ins Freie flüchten. Die Senioren leben selbständig in dem Haus, jeder hat seine eigene Kochnische, eigene Zimmer. Das Seniorenheim gehört der „Wir“, einer Nachfolgegesellschaft der „Neuen Heimat“.

Die Brandschutztüren waren nach Auskunft von Mitarbeitern und Bewohnern offen, weil viele der alten Menschen sie allein nur schwer aufbekommen. In anderen Heimen sind Automatiktüren üblich – sie öffnen und schließen selbsttätig. Geben die Brandmelder Alarm, schließen sie sofort. Bei einigen der alten Menschen waren gestern so auch kritische Stimmen zu hören: „Wir zahlen hier viel Geld, und nichts wird gemacht.“ Das Feuer hatte ein Angestellter kurz nach 17 Uhr bemerkt, er alarmierte sofort die Feuerwehr. Bei den Beamten hieß es gestern, „das sei ein Fall für die Bauaufsicht“.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben