Berlin : Feuer in Berlins ältestem Hochhaus: Über 100 Menschen mussten raus

Ersatzunterkunft in BVG-Bus / Neunjähriger Junge über Notruf am Telefon beruhigt

Tanja Buntrock

un d Werner Schmidt

Es liegt beißender Qualmgeruch in der Luft. Vor dem Hochhaus am Roseneck am Hohenzollerndamm 105 in Schmargendorf stehen am Sonntagmorgen einige Mieter, die es immer noch nicht fassen können. „Gott sei Dank ist kein Mensch verletzt und keine Wohnung beschädigt worden“, sagt einer. Am Abend zuvor hatte es in dem 16-geschossigen Haus, das 1954 gebaut wurde und im Besitz des Filmproduzenten Artur Brauner ist, gebrannt.

Das Feuer in Berlins erstem Nachkriegshochhaus war gegen 22.30 Uhr in einer Fahrstuhlkabine, wahrscheinlich im 3. Stockwerk, ausgebrochen. Die Kabine brannte lichterloh. Der Schacht ist lediglich durch einen Maschendrahtzaun vom Treppenhaus getrennt. So konnte sich der beißende Rauch blitzschnell im gesamten Haus ausbreiten. Durch die starke Hitze hätten die Seile am Fahrstuhl nachgegeben und die unbesetzte Kabine sei abgestürzt, sagt ein Kriminalbeamter, der am Sonntagmorgen mit Kollegen den Brandort untersucht.

„Ich sah nur noch eine Feuerwand im Hausflur, als ich meine Wohnungstür geöffnet habe“, schildert eine Mieterin. Sie sei sofort zurück in die Wohnung gerannt. Die Feuerwehr habe daraufhin zunächst das Baby der Mieterin, dann den dreijährigen Sohn, dann die Frau und ihren Ehemann mit Drehleitern aus dem Fenster des Y-förmigen Gebäudes gerettet. Die ungewöhnliche Form des Baus soll garantieren, dass es in jeder Wohnung mindestens ein nach Süden ausgerichtetes Zimmer gibt.

Innerhalb weniger Minuten waren nach dem Ausbruch des Feuers zahlreiche Notrufe bei der Feuerwehr eingegangen, die über 100 Bewohner des Hauses in Sicherheit brachte – zum Teil über Leitern von den Balkonen herab. Rund 180 Feuerwehrbeamte waren mit 25 Fahrzeugen im Einsatz. Erst Sonntagmorgen gegen 6.30 Uhr rückte das letzte Fahrzeug der Feuerwehr wieder ab.

20 Minuten lang hatte ein Feuerwehrmann am Telefon einen neunjährigen Jungen, der aus Angst den Notruf 112 gewählt hatte, beruhigt. Der Junge war vom Qualm wach geworden, der aus dem Treppenhaus in die Wohnung drang. Das Kind war allein zu Hause, aber noch während des Telefonats mit dem Feuerwehrmann kamen die Eltern des Jungen zurück.

Die Feuerwehr kontrollierte sämtliche 150 Wohnungen und musste nach Auskunft von Feuerwehrchef Albrecht Broemme etwa zwei Dutzend Türen aufbrechen, um nachzusehen, ob sich noch Mieter in den Wohnungen aufhielten.

Um alle Hausbewohner unterzubringen, „kaperte“ der Feuerwehrchef sogar einen Doppeldecker der BVG. Der Fahrer eines Busses der Linie 119, der vom Roseneck losfahren wollte, wurde gebeten, den teils aus dem Schlaf gerissenen Hausbewohnern Obdach zu bieten. Helfer vom Roten Kreuz betreuten die Hausbewohner. Die Brandursache ist noch nicht geklärt, aber Broemme vermutet einen technischen Defekt in dem fast 50 Jahre alten Aufzug. Eine glimmende Zigarette hält er als Auslöser für ausgeschlossen.

Broemme bemängelte die Notausgänge in dem Hochhaus, die keinesfalls heutigen Anforderungen entsprächen. Die Treppen seien schmal und für ältere Menschen viel zu steil. Selbst mit Hilfe von Helfern sei eine Rettung über diese Treppen nicht möglich. Feuerwehrbeamte hätten ihm berichtet, dass einige der Notausgänge sogar versperrt gewesen seien. Dies berichteten gestern auch Hausbewohner dem Tagesspiegel. Albrecht Broemme, der in der Nacht noch einige der Türen kontrollierte, fand jedoch keine verschlossen vor, sagte er.

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