Berlin : Feuer in Schöneberg: Der Glanz der frühen Jahre

Andreas Conrad

Der Abend des 20. Februar 1954 muss den Besuchern des "Prälaten Schöneberg" in unvergesslicher Erinnerung geblieben sein. Nicht allein, dass gleich zwei populäre Kapellen, Fred Dömkes Jungens und die Truppe von Jonny G. Liljeberg, beim Ball der Kaufleute und Industriellen munter aufspielten und so mancher nach den Walzern und Foxtrotts mit einem Eisschrank oder einem Radioapparat als Tombolagewinn nach Hause wanken durfte. Auch mit der Herrenspende, einer Flasche Drei-Kronen-Weinbrand, und den Baumkuchenspitzen als Damengeschenk waren die Gäste hoch zufrieden. Aber es kam noch besser: "Als Überraschung bekamen die Damen noch eine Packung Weinbrand-Pralinen der Firma Asbach-Uralt", der Tagesspiegel verzeichnete derlei schon damals ebenso sachlich wie gründlich.

Akribisch listete das Blatt damals die Lustbarkeiten der Saison in einem "Ballkalender" auf. Ein Veranstaltungsort war fast immer dabei: der "Prälat Schöneberg" in der Hauptstraße 121-124, schräg gegenüber der alten Dorfkirche. Eine Adresse mit Tradition: Seit 1375 befand sich dort der Dorfkrug, seither blieb das Gelände zwischen heutiger Haupt- und Feurigstraße über Jahrhunderte dem Gerstensaft geweiht. Bis 1975 befanden sich im hinteren Teil noch die Gebäude der Berliner Bärenbier-Brauerei, der "Prälat" war aus deren 1937 entstandenen Gartenlokal hervorgegangen. Nach dem Krieg wurde er umgebaut, dabei kräftig erweitert, einschließlich mehrerer Säle im Stil der Zeit. Damals begann die Glanzzeit des Schöneberger Festhauses, der sich rasch zu einem Zentrum des West-Berliner Gesellschaftslebens entwickelte. Ob es die Kaufleute und Industriellen, der Varieté-Theater-Direktoren-Verband, der Karikaturistenverein "Die Wolke", der Deutsche Aero-Club, der ADAC, der Hartmannbund oder gar die Berliner Elektrotechniker waren - im "Prälaten" tanzten sie alle. Absolute Höhepunkte in der "Prälat"-Geschichte aber waren die Filmbälle der frühen fünfziger Jahre. Nicht, dass sich der eher unscheinbare Bau für glamouröse Selbstdarstellung internationaler Filmgöttinnen und -götter direkt anbot, aber man war ja bescheiden in diesen Jahren des Aufbaus, musste bei der ersten Berlinale 1951 sogar auf den Titania-Palast zurückgreifen und lud dann eben die Stars und Starlets adäquat zur Ballnacht in den "Prälat". Mit Veilchen und Rhododendron als Dekoration fing es am 14. Juni 1951 an, immerhin kamen Joan Fontaine, Helmut Käutner, Kurt Meisel und mit ihnen viele, deren Namen längst seinen Glanz verloren hat. Drei Jahre später hießen die Stars bereits Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Yvonne de Carlo, dazu Maria Schell, Bernhard Wicki, Marika Rökk.

Das alles sah man dem schäbigen Flachbau schon vor dem letzten Brand nicht mehr an. 1987 war der "Prälat" geschlossen worden, seither hat es viele Spekulationen und auch konkrete Pläne gegeben, die allesamt im Sande verliefen - vom Hotel über ein Großkino bis hin zu einem Kaufhaus. Bislang blieb es bei Schall und Rauch.

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