• Feuer in Schöneberg: Polizei verdächtigt einen Mieter Die Bewohner der Crellestraße können schon

Berlin : Feuer in Schöneberg: Polizei verdächtigt einen Mieter Die Bewohner der Crellestraße können schon

heute zurück in ihre Wohnungen

Rita Nikolow

Am Tag nach dem Großfeuer in Schöneberg steht ein Wohnungsmieter unter Verdacht. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen einen 53-Jährigen – wollte gestern über Einzelheiten aber noch nichts verraten.

Eine gute Nachricht gab es für die Mieter: Sie können am heutigen Mittwoch in ihre Wohnungen zurückkehren. Zuvor müsste allerdings noch eine Art Schutzdach über dem Gehweg errichtet werden, damit niemand durch hinabfallende Teile verletzt werde, hieß es gestern bei der Wohnbauten-Gesellschaft Stadt und Land.

Das Feuer, das am Montag gegen 13.50 Uhr im vierten Stock der Schöneberger Crellestraße 39 ausgebrochen war, hatte die Mieter der 16 Wohnungen kurzzeitig obdachlos gemacht. Rund 100 Feuerwehrleute waren bei den Löscharbeiten im Einsatz und hatten sechs Menschen aus den Wohnhäusern gerettet. Drei Feuerwehrleute wurden bei dem Einsatz verletzt. Den Vormittag am Tag nach dem Brand hatten viele Mieter der Straße vor ihrem Haus verbracht und mit ratlosen Blicken immer wieder zu ihren Wohnungen hinaufgeschaut. „Ich habe mir heute extra frei genommen“, sagte die Verkäuferin Derya Izci, die wie viele ihrer Nachbarn bei Verwandten übernachten musste.

Vom Dachstuhl des großen Eckhauses mit der Hausnummer 38 waren gestern um die Mittagszeit nur noch kohlrabenschwarze Reste zu sehen, Arbeiter sperrten die beiden Häuser mit einem Metallzaun ab. „Wir konnten am Montagabend kurz in die Wohnungen hinein, um die wichtigsten Sachen zu holen", sagte Derya Izci und zeigte auf ihre kleine schwarze Tasche. Ihre Wohnung habe es zum Glück nicht so schlimm getroffen, obwohl das Löschwasser auf dem Boden stehe. „Schlimmer sieht es im Eckhaus aus“, sagte die 25-Jährige. Dort habe sich das Löschwasser mit der verbrannten Asche vermischt.

Der Brand hat der gesamten Nachbarschaft einen Schrecken eingejagt: „Die Flammen schlugen so hoch, das kann sich keiner vorstellen, der das noch nicht erlebt hat“, sagte eine Nachbarin. Als sie gehört habe, dass bei dem Feuer niemand zu Tode gekommen ist, sei sie wirklich erleichtert gewesen. „Wie schnell es gehen kann, bis so ein Dachstuhl brennt, hat mich am meisten erstaunt“, sagte ein anderer Anwohner.

Die Stimmung der obdachlosen Mieter schwankte am Vormittag zwischen Hoffnung und Zynismus, einige diskutierten darüber, wie der Brandschaden versicherungsrechtlich geregelt werden kann, oder wo sie in der folgenden Nacht schlafen sollten. Andere radelten in der Mittagspause nur kurz Zuhause vorbei, um herauszufinden, ob es Neuigkeiten gibt. Und viele Mieter tauschten Telefonnummern aus, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten - am frühen Nachmittag dann mit der guten Nachricht einer baldigen Rückkehr in die eigenen vier Wände.

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