Berlin : Feuer legt S-Bahnen lahm – Fahrgäste saßen fest

Nach Schwelbrand im Stellwerk ging im Osten nichts mehr: Tausende Berliner waren betroffen, mussten lange auf Hilfe warten

Klaus Kurpjuweit

Nichts ging mehr. Wegen eines kompletten Stellwerkausfalls am Biesdorfer Kreuz in Lichtenberg brachen gestern Nachmittag der S-Bahn- und der Regionalverkehr in diesem Bereich zusammen. Zehntausende von Fahrgästen erreichten ihr Ziel zum Teil erst Stunden später; Tausende waren in liegen gebliebenen Zügen eingesperrt – bis zu eineinhalb Stunden. Der Betrieb kann wahrscheinlich erst heute am Vormittag wieder aufgenommen werden.

Nach Angaben der Bundespolizei, die als Bahnpolizei eingesetzt wird, waren bei einem Schwelbrand in einem älteren Stellwerk am Biesdorfer Kreuz gegen 16 Uhr zwei Generatoren zerstört worden. Dadurch fiel im gesamten Stellwerksbereich der Strom in den Stromschienen der S-Bahn aus, Weichen und Signale ließen sich nicht mehr stellen. Zwischen Lichtenberg und Ahrensfelde, Wartenberg sowie Wuhletal fuhren keine Züge mehr. Andere endeten bereits im Ostbahnhof.

Am Abend war noch unklar, wie viele Züge auf freier Strecke liegen geblieben waren. Die S-Bahn sprach von vier, die Bundespolizei nannte acht. In jedem Zug können 700 bis 800 Fahrgäste sitzen.

Eineinhalb Stunden mussten etwa die Fahrgäste ausharren, deren S-Bahn kurz nach dem Verlassen der Station Springpfuhl in Marzahn liegen geblieben war. Eine Fahrt, die in wenigen Minuten beendet sein sollte, dauerte für eine Frau zum Beispiel am Ende mehr als zwei Stunden. Die Information sei äußerst schlecht gewesen, beklagte sie hinterher. Ein Problem für viele der Fahrgäste war, dass die S-Bahnen keine Toiletten haben.

Zunächst habe man gehofft, den Betrieb schnell wieder aufnehmen zu können, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Als sich nach etwa einer viertel Stunde herausgestellt habe, dass der Schaden nicht sofort behoben werden könne, habe man entschieden, die Fahrgäste aus den Zügen herauszuholen. Die dafür zuständige Bundespolizei sei um 16.14 Uhr alarmiert worden. Nach Angaben ihres Sprechers Jörg Kunzendorf trommelte die Bundespolizei insgesamt 70 Kollegen zusammen. Die ersten Helfer seien bereits um 16.38 Uhr an einem Zug gewesen; anderswo – wie am Bahnhof Springpfuhl – mussten die Fahrgäste dagegen lange warten. Auch das Aussteigen gestaltete sich schwierig; der Fußboden der Waggons befindet sich rund einen Meter über den Gleisen. Leitern gebe es zwar in jedem Zug, sagte Priegnitz, doch nicht für jede Tür.

In ähnlichen Fällen hatten Strafanzeigen von in Zügen eingesperrten Fahrgästen keinen Erfolg. Zum Teil zahlte die Bahn aber eine kleine Entschädigung.

Am Abend hoffte die S-Bahn, wenigstens einen Pendelverkehr zwischen Lichtenberg und Ahrensfelde einrichten zu können. Richtung Wartenberg verwies man die Fahrgäste auf die Straßenbahn. Zwischen Lichtenberg und Wuhletal konnte man auf die U-Bahn-Linie U 5 ausweichen. Mit der BVG habe man vereinbart, dass auf dieser Linie heute mehr Züge eingesetzt werden, sagte Priegnitz. Auch die Straßenbahn–Linien M 4 und M 8 sollen heute mit mehr Zügen fahren.

Ausfälle gab es auch im Regionalverkehr. Hier endeten die Züge auf Bahnhöfen vor Lichtenberg; der Regionalexpress von Dessau nach Stralsund war zwischen Ostbahnhof und Bernau unterbrochen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben