Berlin : Feuer und Flamme für den Wähler

Von Politikverdruss keine Spur: Am Wochenende harmonieren Rot und Schwarz

Lars von Törne

Am Alexanderplatz macht die Große Koalition den Bürgern richtig Spaß. Vor dem Bürogebäude am Nordrand des Platzes, das sich das SPD-geführte Umweltministerium und das vorübergehend hier eingezogene CDU-geführte Familienministerium teilen, wird an diesem Wochenende gefeiert. Das Volksfest vor dem Haus, das wie alle anderen Ministerien ab Samstagmorgen gut besucht ist, haben die sonst nicht immer so harmonischen Koalitionspartner sich brüderlich geteilt: Links die Informationsstände des Umweltministeriums von Sigmar Gabriel (SPD), rechts die Stände des Ministeriums von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). In der Mitte Buden, eine Musikbühne und der Infostand, bei dem die Broschüren über Klimawandel und Elterngeld, Erneuerbare Energie und Familienpolitik so gut weggehen, dass von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Großen Koalition, wie sie die Umfragen zeigen, zumindest bei dieser Veranstaltung nichts zu spüren ist.

Daneben steht Monika Ulrich vom Umweltministerium und lobt die große Volksfestkoalition: „Wir arbeiten sehr harmonisch zusammen und profitieren beide davon“, sagt Frau Ulrich, die diesen Tag mitorganisiert hat und über das andere Ministerium nur Gutes zu sagen weiß. Ein Nebeneffekt der Veranstaltung: Bei den öffentlichen Führungen durch die zwei Ministerien mischen sich auch Mitarbeiter der jeweils anderen Behörde unters Volk, um die Nachbarn besser kennen zu lernen. Sogar ein gemeinsame Familien- und Umweltquiz hat man erarbeitet: Die eine Hälfte der Fragen kommt vom SPD-Ministerium, die andere vom CDU-Ministerium. Dass es dennoch Meinungsverschiedenheiten gibt, merkt man hier nur an Details. Wie zum Beispiel an einer Broschüre, die die Mitarbeiterinnen von Sigmar Gabriel verteilen und die in direktem Widerspruch zu dem steht, was die CDU meint. Titel: „Atomkraft: Ein teurer Irrweg“.

Parteipolitik interessiert an diesem Tag aber kaum, die meisten Besucher sind gekommen, um sich über Fachfragen zu informieren, sich zu amüsieren oder einmal in die Arbeitszimmer der Regierenden zu schauen. Wie gut die Bürger wissen, was die Regierung tut und was ihnen nicht gefällt, erlebt Familienministerin Ursula von der Leyen, als sie auf dem Weg ins Büro zufällig in eine Besuchergruppe gerät. Da prasseln Fragen zu Kindergeld, Familienförderung und Ehegattensplitting auf sie ein. Die Ministerin pariert versiert und ausdauernd lächelnd, bis eine Mitarbeiterin die diskussionsfreudigen Bürger sanft aus dem Ministerinnenbüro hinauskomplimentiert. Ihren Ministeriumsnachbarn Sigmar Gabriel bekommen die Besucher nicht zu sehen: Er musste überraschend nach Polen, sagt eine Mitarbeiterin. Dafür zeigen sich vom Kabinett unter anderem die Minister Steinmeier (siehe unten), Müntefering und Schavan.

60 000 Besucher kamen bis zum gestrigen Abend. Heute werden die Gäste unter anderem von Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister Jung empfangen (siehe Kasten).

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