Berlin : Feuergefecht im Viktoriapark

Ein Toter und zwei Schwerverletzte bei Schießerei zwischen Familienclans in Kreuzberg. Täter flüchtig

Jörn Hasselmann

Passanten glaubten am Samstagabend an ein Feuerwerk im Viktoriapark. Doch es waren keine Polenböller – sondern ein Feuergefecht zwischen arabisch-libanesischen Clans. Hinterher lag ein Toter auf der Straße, zwei Schwerverletzte wurden im Krankenhaus versorgt. Die flüchtenden Täter zerschossen in der Kreuzbergstraße dann sogar noch eine Reihe von geparkten Fahrzeugen – dass keine Unbeteiligten auf dem Gehweg getroffen worden, sei riesiges Glück, sagte ein Polizei-Sprecher. Insgesamt wurde nach Angaben der Mordkommission etwa 20 Mal geschossen. Die Kripo sei den Tätern dicht auf den Fersen, hieß es am Sonntag. Das Motiv ist nach Angaben der Mordkommission völlig banal. Worum es genau ging, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Die Opfer seien zwar wegen diverser kleinerer Delikte polizeibekannt, „es war aber keine Abrechnung unter Schwerkriminellen“, sagte ein Ermittler. Ob die Gruppen sich zufällig im Park begegneten oder dort verabredet hatten, ist unklar.

Die Schießerei begann am warmen Spätsommerabend gegen 20.50 Uhr unterhalb des Kreuzbergdenkmals – mitten im gut besuchten Park. Vor der „Villa“, einem Veranstaltungssaal, wurden mindestens vier Pkw von Kugeln regelrecht durchsiebt. Möglicherweise wollten die Flüchtenden die Autos ihrer Gegner fahrunfähig schießen. Allerdings wurde auch der Ford eines 60-jährigen Deutschen getroffen, der in der Villa, dem früheren Gärtnerhaus des Parks, am Samstagabend seinen 60. Geburtstag feierte.

„Es machte schnell hintereinander tok-tok-tok-tok“, gab eine Augenzeugin am Sonntagabend bei der Kripo zu Protokoll. Kurz danach seien zehn bis 15 junge Männer aus dem Park gerannt und über die Kreuzbergstraße in Richtung Möckernstraße geflüchtet. Nach der Flucht dieser Gruppe habe es dann noch weitere Schüsse gegeben, berichtete die Zeugin weiter – das waren offenbar die Schüsse auf die Autos. Noch während der Kriminalbeamte die Frau befragte, meldete ein Bereitschaftspolizist: „Wir haben noch sechs Patronenhülsen gesichert.“

Ein Großaufgebot der Polizei hatte den Park komplett abgeriegelt, ebenso die Kreuzbergstraße. Alle Besucher und die Gäste der Diskothek Golgatha wurden beim Verlassen befragt. Die Feuerwehr stellte unterhalb des Kriegerdenkmals Flutlichtmasten auf, damit die Experten der Spurensicherung arbeiten können. Der Park blieb bis Sonntagvormittag gesperrt.

Die Zossener Straße war bereits gegen Mitternacht von der Polizei freigegeben worden. Bis dorthin, einen Kilometer entfernt vom Viktoriapark, war der lebensgefährlich verletzte 25-Jährige selbst gefahren oder hatte sich fahren lassen. Das Fahrzeug, ein schwarzer 3er-BMW, stand schräg auf dem Gehweg. Anwohner beobachteten, wie der Libanese auf dem Pflaster von einem Notarzt versorgt wird. Er stirbt im Krankenhaus. Die beiden anderen Verletzten, ein 20-jähriger und ein 30-jähriger Mann, wurden später von Angehörigen ins Urbankrankenhaus gefahren. „Die kamen mit einer ganzen Sippe in die Klinik“, hieß es bei der Kripo.

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