Feuerwehr im Einsatz : Berliner Rettungskräfte sind oft zu langsam

Bei Rettungeinsätzen schafft es die Berliner Feuerwehr oft nicht, wie eigentlich vorgesehen in acht Minuten am Einsatzort in der Innenstadt zu sein. Innensenator Frank Henkel verspricht nun zusätzliche Stellen.

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Im Einsatz. Bei Rettungsfahrten bleibt die Berliner Feuerwehr oft hinter ihrem selbst gesetzten Ziel zurück, einen Einsatzort in der City spätestens nach acht Minuten zu erreichen.
Im Einsatz. Bei Rettungsfahrten bleibt die Berliner Feuerwehr oft hinter ihrem selbst gesetzten Ziel zurück, einen Einsatzort in...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die knapp 3900 Kräfte der Berliner Feuerwehr mussten im Vorjahr zu 360 215 Einsätzen ausrücken – das sind weniger als ein Prozent mehr Fahrten als im Vorjahr. Doch Entwarnung gibt Karsten Göwecke, ständiger Vertreter des Landesbranddirektors, nicht. „Waren es im Jahr 2000 noch knapp 300 000, sind es jetzt knapp 400 000 Einsätze – mit steigender Tendenz“, sagte Göwecke am Montag im parlamentarischen Innenausschuss. Vor allem die vielen Rettungsdienstfahrten bereiten der Feuerwehr große Probleme.

Nur zwei Prozent der Einsätze betreffen Brände, in fünf Prozent werden die Feuerwehrmänner zu technischen Hilfeleistungen gerufen, in elf Prozent der Einsätze wäre das Fachwissen der Feuerwehr eigentlich nicht benötigt worden. Eine „erfreulich geringe Zahl“, so Göwecke, machten mit ein Prozent die Fehleinsätze durch falschen Alarm aus. Aber 81 Prozent der Einsätze werden im Rettungsdienst gefahren. In Zahlen ausgedrückt mussten die Feuerwehrleute im Vorjahr 292 464 mal Hilfe leisten. In 30 Prozent aller Fälle waren Rettungswagen im Einsatz, in knapp 73 Prozent wurden sogar Notarztwagen gerufen.

Diese Entwicklung verläuft in Berlin analog zum bundesweiten Trend: Die Menschen werden älter, die medizinischen Erkenntnisse sind ausgereifter. Bei einem Schlaganfall oder Herzanfall sollte jeder Bürger wissen, dass schnelle medizinische Hilfe Leben retten oder irreparable Spätfolgen verhindern kann.

Durch die vielen Einsätze in einer Großstadt wie Berlin aber schafft es die Feuerwehr nicht immer, ihre so genannten Schutzziele zu erreichen. Das ist die Vorgabe, welches Einsatzmittel und wie viele Kräfte innerhalb eines bestimmten Zeitpunktes am Einsatzort eintreffen sollen. Bei der Brandbekämpfung erfüllt die Feuerwehr in den Innenstadtbereichen mehr als ihr Soll, das besagt, dass 14 Kräfte innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein sollten.

In der Notfallrettung aber klafft eine Differenz zwischen Ist- und Sollzahlen. In nur knapp 43 Prozent aller Einsätze schaffen es die Einsatzfahrzeuge, innerhalb von acht Minuten am Einsatzort zu sein. Das Ziel ist es, die Marge 75 Prozent im innenstädtischen Bereich zu erreichen. „Das ist dringend verbesserungsbedürftig“, sagte Göwecke. Mehr als 80 Rettungswagen sind derzeit im Einsatz, sieben weitere werden demnächst hinzukommen. Benötigt werden aber auch weitere als die 60 Standorte und mehr Einsatzkräfte.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte 80 zusätzliche Stellen für die Feuerwehr zu. „Das ist ein Schritt nach vorne. Er reicht aber nicht aus.“ Henkel sagte, ein großes Problem bei Einsätzen seien die vielen Baustellen auf den Straßen. Die Forderung der Opposition, das stärkere Einbinden von privaten Rettungsdiensten zu prüfen, nannte Henkel eine „Option“. Und ohne die Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) mit ihren 1360 Helfern könnten viele Einsätze auch nicht so schnell und erfolgreich abgeschlossen werden. 2012 wurde die FFW zu 30 000 Einsätzen gerufen. Dass sie eine der wichtigsten Aufgaben in der Gefahrenabwehr übernimmt, darin waren sich Koalition und Opposition sehr einig.

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