• Feuerwehr will Feuerwerker überprüfen - 1966 starben bei einer Fabrikexplosion in Lichterfelde drei Menschen

Berlin : Feuerwehr will Feuerwerker überprüfen - 1966 starben bei einer Fabrikexplosion in Lichterfelde drei Menschen

Holger Stark/Werner Schmidt

Feuerwerksfirmen und die Feuerwehr halten eine Katastrophe wie im niederländischen Enschede in Berlin für nahezu ausgeschlossen. In Berlin gebe es nur zwei große Lagerstätten für Explosivstoffe, die aber nicht direkt in Wohngebieten liegen. Zudem sind die deutschen Vorschriften wesentlich schärfer als in den Niederlanden. Insider berichten allerdings, dass sich auf dem Markt für Feuerwerkskörper "jede Menge schwarze Schafe" tummelten, die häufig die Vorschriften ignorierten und deshalb ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellten. Feuerwehrchef Albrecht Broemme kündigte gegenüber dem Tagesspiegel an, er werde die Standorte auf ihre Sicherheit überprüfen.

Eines der beiden Lager liegt an der Großziethener Chaussee inmitten eines Industriegebietes. In den Räumen dürfen maximal 50 Tonnen Feuerwerkskörper der Klassen I und II gelagert werden - in Enschede sollen rund 100 Tonnen explodiert sein. Broemme sagte gestern, er werde das Unglück in Holland zum Anlass nehmen, gemeinsam mit dem Landesamt für Arbeitsschutz das Rudower Lager auf Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen zu prüfen.

Das zweite Großlager an der Schönerlinder Allee in Buchholz liegt dagegen weitab, "zwischen Feldern und freier Fläche". In der Fabrikationsstätte wird alles, vom harmlosen Kinderfeuerwerk bis zu pyrotechnischen Großartikeln, produziert und gelagert. "Buchholz ist relativ uninteressant", sagte Broemme. Bei der Feuerwehr liegen für Notfälle in den Lagern besondere Einsatzpläne vor. Auch für die Bauten selbst gelten spezielle Vorschriften. So muss ein Lager über verschiedene Abteilungen verfügen, die wiederum durch feuerbeständige Wände getrennt sein müssen. Die Gebäude selbst sollen mit "Sollbruchstellen", in der Regel das Dach, versehen sein, die im Fall einer Explosion nachgeben und verhindern, dass das gesamte Gebäude in Stücke gerissen wird - Schutzmaßnahmen, die viele Gebäude in Enschede nicht hatten.

Die tödliche Explosion von Enschede hat auch die Experten erschüttert. Manfred Kandler, Chef einer der größten deutschen Feuerwerkfirmen, ist noch am Tag danach geschockt: "Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist." Kandler ist allerdings überzeugt davon, dass ein ähnlicher Unfall in Berlin nicht passieren kann. Seine Firma, die Potsdamer Feuerwerk, die etwa das Silvesterfeuerwerk am Brandenburger Tor und an der Siegessäule veranstaltete, sitzt zwar in Marienfelde, lagert aber ihr Großfeuerwerk wie andere Firmen auch in Buchholz. Auf dem 15.000 Quadratmeter großen Gelände, das schon zu DDR-Zeiten für die Pyroproduktion genutzt wurde, können mehr als 100 Tonnen Explosivstoffe gebunkert werden. Kandler glaubt, dass die Holländer selbst mit Schwarzpulver hantiert haben, um so neue Varianten zu kreieren. "Das ist hochgefährlich, dabei kann immer etwas passieren", sagt Kandler. "Das macht hier keiner."

Nach Informationen von Rainer Klugert von der Hanabi Fireworks GmbH halten sich allerdings "viele Anbieter nicht an die Vorschriften". Klugert: "Es ist bekannt, dass nicht alle in der Branche vernünftig lagern." Der Chef der Hanabi Fireworks hat bis zu drei Tonnen vorrätig - in einem Bunker auf einem Militärgelände im Umland.

Dass schwere Unfälle mit Sprengkörpern auch in Berlin möglich sind, zeigen zwei Unglücke. Bei der Explosion einer Fabrik, die Feuerwerkskörper herstellte, starben 1966 in Lichterfelde drei Menschen, darunter die Ehefrau des Besitzers. Ein weiterer Sprengmeister starb in Berlin Mitte der 90er Jahre, als illegal gehortete Explosivstoffe in seinem Wohnhaus detonierten.

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