Berlin : Feuerwehrleitern nur bis zum 5. Stock

Bei Wohnungsbränden sind Hochhausbewohner besonders gefährdet. Retter für Altbauten ausgerüstet Auch Sprungpolster sind riskant, wie der tödliche Fenstersturz eines 57-Jährigen gezeigt hat.

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Als der Mieter im 9. Stock aus dem Fenster des Hochhauses in Friedrichsfelde sprang, hatte er das Rettungspolster der Feuerwehr vor Augen, das ihn am Boden auffangen sollte. Dennoch fand der 57-Jährige am Mittwochabend den Tod. Nach Angaben der Feuerwehr traf der Körper des Mannes nach seinem Sprung aus etwa 27 Meter Höhe am Rand des Luftpolsters auf und schlug anschließend auf den Boden auf. Dort starb der Bewohner an seinen schweren Verletzungen.

Noch ist die Ursache des Wohnungsbrandes ungeklärt. Doch für den Tod des Mieters macht die Feuerwehr das Zusammenkommen mehrerer unglücklicher Umstände verantwortlich. Zum Verhängnis wurde dem Mann vor allem, dass er aus großer Höhe springen musste. „Das Sprungpolster ist nur für eine Höhe bis zu 16 Meter vorgesehen“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer. Generell gelte: „Das Polster ist immer, egal in welcher Höhe, die letzte Notlösung, um jemanden zu retten. Denn eine Gefahr besteht beim Sprung immer“, sagt Fleischer. Im Regelfall bringe die Feuerwehr bei einem fortgeschrittenen Wohnungsbrand, bei dem die Flucht durch das Treppenhaus nicht mehr möglich ist, die Menschen mit einer Drehleiter in Sicherheit. Allerdings reichen die vorhandenen nur in eine Höhe von fünf Stockwerken, etwa 23 Meter hoch – die Traufhöhe der Berliner Altbauten. Alle Gebäude, die höher sind, gelten als Hochhäuser und müssen laut Berliner Bauordnung über einen zweiten Rettungsweg, also ein zweites Treppenhaus oder ein Sicherheitstreppenhaus verfügen. Letzteres befinde sich außen am Gebäude und bestehe aus nicht-brennbaren Materialien. „Natürlich gibt es auch längere Drehleitern“, erklärt Fleischer. „Aber diese sind in Berlin nicht vorgesehen. Die Praxis zeigt, dass im Regelfall die Berliner Bauordnung greift.“

Doch für den 57-Jährigen aus Friedrichsfelde kam eine Flucht über das Treppenhaus nicht mehr infrage. Seine Einzimmerwohnung in der Baikalstraße stand offenbar bereits lichterloh in Flammen, ehe er den Brand bemerkte, so dass der Ausweg durch die Wohnungstür versperrt war. Er konnte nur noch auf den Balkon ausweichen. Die Ermittler wissen bisher nicht, warum dem Mann der Brand erst so spät auffiel. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen die Flammen schon durch das Fenster. „Der Mann hatte bereits erhebliche Verbrennungen am Rücken. Es gab eine Hitzeentwicklung von etwa 800 Grad“, sagt Fleischer. Zwar versuchte der „Angriffstrupp“ (A-Trupp) der Rettungskräfte noch durch das Haus in die Wohnung vorzudringen, „doch das war für den Mann zu spät“, sagt Fleischer.

In dieser lebensgefährlichen Situation sei für den Mann nur noch der Sprung in die Tiefe übrig geblieben – das Sprungpolster sei als letzter Rettungsversuch zum Einsatz gekommen, obwohl der Balkon höher als 16 Meter lag. Hätte der A-Trupp die Wohnung noch rechtzeitig erreicht, hätten die Feuerwehrleute eine „Crash-Rettung“ versucht, sagt Fleischer. Das heißt: „Wohnungstür eintreten, den Weg mit einem Rohr freilöschen, den Mann greifen und nichts wie raus“.

Besonders bei Bränden in hohen Gebäuden komme es darauf an, dass den Bewohnern Zeit genug bleibt, über das Sicherheitstreppenhaus ins Freie zu gelangen. „Und damit ein Feuer rechtzeitig bemerkt wird, sind Rauchmelder extrem wichtig“, betont Fleischer. Denn die Geräte, die bereits für wenige Euro im Baumarkt erhältlich sind, können Leben retten. Der schrille Alarmton ist nicht zu überhören. In neun Bundesländern ist der Einbau von Rauchmeldern in Privatwohnungen bereits gesetzliche Pflicht. Berlin gehört nicht dazu.

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