Berlin : Feuerwerk: Geschäft mit Böllern ist kein Kracher

Christian Domnitz / Claus-Dieter Steyer

Keine Schlangen: Eher ruhig startete der Silvesterböller-Verkauf. Nur wenige Kunden trugen schon gestern Knaller und Raketen nach Hause, der große Andrang wird erst für Montag erwartet. Gewarnt wird vor nicht zugelassenem Feuerwerk aus Polen. Der Bundesgrenzschutz hat die Kontrollen verstärkt.

"Die Leute gucken erstmal nur und vergleichen Preise", sagt eine drospa-Verkäuferin am Potsdamer Platz. Eng werde es erst am Silvester-Montag, wenn die Kunden im letzten Moment "Shooting Star" und "Riesen-Vulkan" einsacken. Doch diesmal wird auch wirklich weniger verkauft: "Guck mal, auch hier liegen die Raketen rum", sagt ein junger Mann zum anderen. Die beiden laufen gelangweilt weiter. Bis zur Mittagszeit gingen gerade nur ein paar Pakete mit Böllern weg - obwohl die Preise fürs Knallen fallen: In diesem Jahr gibt es hier erstmals ein Raketen-Set unter zehn Mark.

Die Knallerei liegt scheinbar nicht mehr im Trend. Statt dessen gibt es Produkte für vorsichtige Kunden: Neben den "Medusa Kometenbombetten" liegen als "jugendfrei" deklarierte Kinder-Knaller und "Familien-Sets" in den Regalen. Aber auch die liegen, liegen, liegen... Knallt so etwas denn auch richtig? "Mir reicht die Lautstärke normaler Silvesterknaller", sagt Birgit Pinschower, die nebenan die Aldi-Werbung für Feuerwerk anschaut.

Doch auf Schwarzmärkten und an der Grenze zu Polen tauchen derweil noch feurigere, nicht zugelassene Knallkörper auf. Die gefährlichsten Böller aus Polen heißen "Gigant Maroon", "Bomb 100" und "Guwak Battery". Deren Sprengkraft ist so groß, dass beim ihrem Auffinden der Munitionsbergungsdienst gerufen werden sollte. "Gigant Maroon" besteht aus mehreren 15 Zentimeter langen und acht Zentimeter breiten Raketen. Vor zwei Jahren explodierte ein solches Exemplar in einer Berliner Telefonzelle, die danach komplett ersetzt werden musste. Andere hochexplosive Geschosse aus dem Nachbarland tragen gar keinen Namen, sondern nur einen Totenkopf oder das Bild einer detonierenden Bombe. Aus einigen hängt zum Anzünden gar keine Lunte heraus. Das ganze Paket muss an der Reibefläche einer Streichholzschachtel zum Entzünden gebracht werden. Oft reicht die Zeit zum Wegwerfen nicht mehr, wie mehrere Unfälle in den vergangenen Jahren zeigten. Da explodierten einige Böller schon in der Hand - was zum Verlust mehrerer Finger führte.

Äußerlich sind die gefährlichen Knallkörper, die im Vergleich zu hiesigen Erzeugnissen viel mehr Sprengstoff enthalten, vor allem an der meist fehlenden deutschen Beschreibung zu erkennen. Das Siegel der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) ist oft gefälscht. Der Name des Herstellers taucht nirgends auf. Bundesgrenzschutz und Zoll haben deshalb ihre Kontrollen an den Grenzübergängen verstärkt.

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