Berlin : Fifa-Forderungen verteuern Umbau des Olympiastadions

Walter-Bau streitet mit dem Senat über die Mehrkosten für elektronische Einlasskontrolle

Holger Wild

Der Ausbau des Olympiastadions zum Spielort der Fußball-WM 2006 wird sich verteuern. Grund sind Anforderungen des Welt-Fußballverbandes Fifa, die bei Vertragsabschluss über den Umbau im Sommer 2000 im Detail noch nicht bekannt waren. Die Höhe der Zusatzkosten wird derzeit ermittelt. Der Sprecher von Walter-Bau, Alexander Görbing, spricht von einem „einstelligen Millionenbetrag“, den sein Unternehmen aber nicht zu übernehmen bereit sei. Genau dies aber verlangt der Senat von Walter-Bau.

Die bisherigen Umbaukosten von 242 Milionen Euro zahlen der Bund (196 Millionen) und das ausführende Bauunternehmen Walter-Bau (46 Millionen), das im Gegenzug an der Betreibergesellschaft für das Stadion beteiligt wird. Der Anteil der Walter-Bau ist ein Bankkredit, der durch eine Bürgschaft des Landes Berlin abgesichert ist.

Während Grundlage des Vertragsabschlusses über den Stadion-Umbau das „vorläufige Pflichtenheft“ des Organisationskommittees der WM (OK) war, erschien im Sommer 2001 das „erweiterte Pflichtenheft“, das die Anforderungen für ein WM-Stadion im Detail auflistet. Als Neuerung wird zudem ein elektronisches Ticket- und Zugangs- und Sicherheitssystem verlangt – und dies stellt für Walter-Bau eine Mehrleistung dar, die durch den Vertrag nicht gedeckt wird. Sprecher Görbing: „Wir haben bestimmte Leistungen zugesagt, die halten wir auch ein. Etwas anderes ist es, wenn später neue Anforderungen gestellt werden.“

So verlangt das OK – letztlich die Fifa –, dass die Zuschauer eines WM-Spiels statt Eintrittskarten personalisierte Chip-Karten erhalten, auf denen zur Identifikation auch die Daten ihrer Inhaber gespeichert sind. So sollen Hooligans aus dem Stadion gehalten und der Schwarzmarkt unterbunden werden. Außerdem müssen im Stadionumfeld Überwachungskameras aufgestellt werden. Die weiteren Forderungen des Pflichtenheftes – zum Beispiel die Zahl der Pulte für Radio- und TV-Reporter (600 mit je drei Arbeitsplätzen für ein WM-Endspiel), deren genaue Abmessungen, die Zahl der Steckdosen und Kabelbuchsen etc. – sind für Walter-Bau unproblematisch, da es sich hierbei nur um Spezifizierungen handele, so Görbing. Das Zugangssystem sei dagegen als nachträgliche Änderung des vertraglichen Leistungsverzeichnisses zu betrachten.

Der Senat indes beruft sich auf eine Vertrags-Klausel, derzufolge Walter-Bau ein „WM-2006-taugliches Stadion“ zu übergeben, so die Sprecherin von Bausenator Peter Strieder, Petra Reetz. Das Zugangskontrollsystem sei daher ebenso durch den Stadion-Fixpreis abgedeckt wie etwa die Entsorgung des Umweltgiftes PCB, das im vergangenen Sommer im Olympiastadion entdeckt worden war. Auch in diesem Fall stritten sich Senat und Walter-Bau um die Übernahme der Mehrkosten – bis sich ein Gericht vor kurzem der Argumentation des Landes anschloss. Möglicherweise legt Walter-Bau dagegen noch Rechtsmittel ein.

Einstweilen wird zwischen Senat und Walter-Bau verhandelt. Die Frage sei ja auch, so Reetz, ob nicht auch die Betreibergesellschaft des Stadions oder seine Nutzer – Hertha BSC zumal, ab April auch der Football-Club „Berlin Thunder“ – einen Vorteil aus dem Zugangssystem ziehen würden, und sich daher an den Kosten beteiligen müssten. Mit dem Thema befasse man sich deshalb erst jetzt, da erst seit April endgültig feststand, dass Berlin WM-Stadt wird. Außer dem Endspiel sollen im Olympiastadion bis zu vier weitere Spiele stattfinden.

Unabhängig von dem aktuellen Streit kommen auf das Land deshalb auf jeden Fall weitere Ausgaben zu. So wird vermutlich auf dem Maifeld eine temporäres Pressezentrum entstehen. Walter-Bau ist dafür nicht zuständig. Wer es aber sonst bezahlt, ist völlig offen.

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