Filialen geschlossen : Das dicke Ende nach dem Rückzug der Post

Geschlossene Postfilialen: Dienstleistungen werden zwar auch in anderen Läden angeboten, doch nicht immer klappt das reibungslos.

Cay Dobberke
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Bald eingepackt. Noch gibt es die Postämter, aber spätestens in zwei Jahren sollen ihre Dienstleistungen unter anderer Regie...Foto: Thilo Rückeis

BerlinFür die Zehlendorfer Anwohner war es eine unangenehme Überraschung, als sie bei der privaten Postfiliale im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte vor verschlossenen Türen standen. Die Deutsche Post und die Postbank hatten ihren Vertrag mit dem Schreibwarengeschäft fristlos gekündigt. Seit Ende Juni müsse sie nicht nur zum Verschicken von Paketen, sondern auch zum Geldabheben weite Wege in Kauf nehmen, beklagt eine Rentnerin aus der Riemeisterstraße. Die Post spricht von einem „Einzelfall“ und will zu den „besonderen Gründen“ der Kündigung nichts sagen. Doch auch andere Händler haben Probleme als Partner der Post.

Bis 2011 will diese, wie berichtet, ihre letzten 30 eigenen Filialen in Berlin aufgeben und dafür Schalter in Geschäften einrichten. Laut einem Sprecher profitieren Kunden zum Beispiel von längeren Öffnungszeiten; und für Händler seien Postdienste ein guter Nebenverdienst.

Anders sieht es der Handelsverband Berlin-Brandenburg. Er könne „der breiten Masse der Facheinzelhändler den Vertragsabschluss kaum empfehlen“, sagt Vize-Hauptgeschäftsführer Günter Päts. Man habe Verträge geprüft. Besonders schwierig werde es, wenn Bankdienste angeboten werden sollen. „Es gibt hohe Sicherheitsanforderungen und einen Haufen Investitionen“, sagt Päts. Der Händler müsse seinen Versicherungsschutz verbessern und Gitter oder Panzerglas anschaffen. Dabei seien Post und Postbank „nicht bereit, den Vertragspartnern unter die Arme zu greifen“. Generell gebe es kaum Verhandlungsspielraum, „da heißt es: friss oder stirb“. Dies bestätigt der „Postagenturnehmerverband Deutschland“, in dem Betroffene organisiert sind: „Die Partner haben Knebelverträge und das komplette Haftungsrisiko eines Bankdirektors“, sagt Herbert Millman, einer der Vereinsgründer.

„Bei den Kunden ist die Akzeptanz aber hoch“, urteilt der Verein. Auch im Tagesspiegel-Internetforum gibt es Lob für private Schalterbetreiber. „Ich war auch zuerst skeptisch, aber die Postagentur in meiner Nähe ist effizienter als das alte Postamt“, schreibt ein Leser.

In Zehlendorf hatte nach der Schließung des Postamts im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte die Unternehmerin Josefa Scholz 2007 eine Postagentur mit Bankschalter in einem nahen Friseurgeschäft eröffnet. Doch Ende 2008 kam es zu einem Einbruch, bei dem „alles kurz und klein geschlagen und enorme Beute gemacht wurde“, wie sie erzählt – obwohl die Täter am Tresor scheiterten. Aus Sicherheitsgründen zog Scholz in den Bahnhof um und betrieb die Schalter in einem Schreibwarenladen. Wegen geringer Umsätze bat sie die Post um bessere finanzielle Konditionen, ihrer Ansicht nach führte dies zur Kündigung. Als plötzlich Postmitarbeiter im Laden standen und das Aus verkündeten, erlitt Josefa Scholz einen Nervenzusammenbruch. Am 15. August will sie neu eröffnen, diesmal als Partnerin des Postdienstleisters Pin AG. Dort sei „das finanzielle Risiko geringer“.

Die Post verhandelt derweil mit dem Inhaber des „Rewe Nahkauf“–Supermarkts, der neben seinem Geschäft eine Postfiliale plant. Als möglicher Eröffnungstermin gilt Ende September. Es wäre eine Rückkehr – denn die leer stehenden Räume beherbergten einst das Postamt.

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