Film LEUTE ziehen durch die Stadt : Auf der Suche nach der Jurypräsidentin

Pläne und Produktionen beherrschen viele Gespräche bei den Berlinale-Partys. Aber auch Romantisches kommt vor.

von
Meryl, where are you? Alle wollen die Jurypräsidentin unbedingt treffen. Foto: dpa
Meryl, where are you? Alle wollen die Jurypräsidentin unbedingt treffen. Foto: dpaFoto: dpa

Das Meryl-Syndrom



Erst tat Opernintendant Dietmar Schwarz ganz lässig beim Brunch in der Audi-Lounge am Berlinale-Palast. „Ist doch praktisch, braucht man nicht einzukaufen.“ Die wahren Beweggründe seines Kommens am Sonntagmorgen konnte er freilich nicht lange verbergen: „Wissen Sie, ob Meryl Streep noch kommt?“ Das sei ein Traum, die mal kennenzulernen. Dieser derzeit ziemlich kollektive Traum ist wohl der Grund, dass es in diesem Jahr auf den Berlinale-Partys noch gedrängter zugeht als sonst schon. Denn natürlich hegen alle, alle die heimliche Hoffnung, der Jurypräsidentin einmal live zu begegnen. Selbst Volker Schlöndorff nannte sie zu Beginn des Festivals die „Primadonna Assoluta“ des Films.

Kein Wunder, dass Berlinale-Chef Dieter Kosslick ordentlich strahlte. Er wollte ihr am Nachmittag gleich zwei Valentinssträuße aus rosa Röschen überreichen, „weil sie ja auch zwei Stimmen hat“. Für die Generalprobe hatte er sich beim Brunch die italienische Kunstexpertin Elena di Giovanni auserkoren. „Diesmal läuft es perfekt“, seufzte er zufrieden. Über die Lounge am roten Teppich ist er glücklich, „weil die Veranstaltungen dort beim breiten Publikum so gut angenommen werden“. Und auch die Jury sei bester Stimmung. „The Kids Are Alright“, imitierte er Meryl Streeps mütterlichen Stil. Sorgen macht ihm lediglich Michael Moore, der unbedingt zur Premiere seines Films „Where to Invade Next“ kommen wollte, obwohl er mit Lungenentzündung darniederliegt. Der Film sei großartig, aber: „Da ist ein Langstreckenflug doch viel zu gefährlich.“

Audi-Marketingchef Wayne Griffith konnte unter anderem auch Vicky Leandros, Leslie Mandoki und Jörg Woltmann begrüßen. Filmproduzentin Alice Brauner schwärmte: „Die Berlinale ist fürs Geschäft das beste Festival.“ Zwei Verleihe hat sie in den ersten Tagen schon für ihre Produktionen gefunden. International liefen die super, nur im eigenen Land sei es manchmal schwierig. Die Produzentin ließ sich was einfallen, als sie mangels Ausweis bei der großen Party vom Medienboard Berlin-Brandenburg am Vorabend im Ritz-Carlton nicht reingelassen werden sollte. „Da habe ich mich einfach selber gegoogelt und denen mein Bild gezeigt.“ Eigentlich war es ihr etwas peinlich, „weil das doch supereitel wirkt“, aber sie kam rein. Wo es um Geld geht, trifft sich natürlich die ganze Branche. Und die ist nicht geneigt, die Stimmen zu senken für Reden schwingende Polit-Honoratioren. Weder Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller noch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke konnten mit ihren guten Wünschen und positiven Plänen ganz durch den Ballsaal dringen. Nur Wortfetzen wie „verlässliche Planungssicherheit“ und „es geht auch ums Image“ wurden erahnbar. „Das Medienboard ist gut zu uns“, konstatierte die Direktorin des Jüdischen Filmfestivals, Nicola Galliner, zufrieden. „Die Berlinale ist weltweit das größte Treffen jüdischer Festivals“, erzählte sie. Traditionell bewirtet sie am ersten Berlinale-Freitag die Kollegen aus aller Welt. Für die Jagd nach einem Eröffnungsfilm ist die Berlinale ebenfalls ideal. Als sie hörte, dass Produzentin Minu Barati, deren Film „Atomic Falafel“ in Israel ein großer Erfolg war, auch auf der Party war, machte sie sich gleich auf die Suche: „Den Film will ich unbedingt für mein Festival haben.“ Iris Berben und Heike Makatsch hatten große Auftritte, Jungstar Jella Haase wurde für ihr hübsches Kleid gelobt. Rosa von Praunheim war tatsächlich im gleichen Outfit gekommen wie am Vorabend zur ARD. Die harte Arbeitsphase ist also schon erreicht.

Viele zog es nach dem Empfang noch weiter, zum Beispiel in die italienische Botschaft, wo der kleine Jungstar des italienischen Wettbewerbsbeitrags, Samuele Pucillo, die Gäste bezauberte mit seiner alterslosen Souveränität. Auch der Arzt von Lampedusa, Pietro Bartolo, war zum Empfang gekommen. Der Film „Fuocoammare“ zeige aber nur einen kleinen Ausschnitt aus seiner Arbeit, sagte er.

Auch am späten Sonntagabend gab es einen Termin, der die Spitzen der Branche auf dem Party-Parkett zusammenbringen sollte. Die mächtige Filmstiftung Nordrhein-Westfalen hatte in die Landesvertretung geladen. E

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben