Filmdreh : Nur die Dinos sind noch älter

In Leander Haußmanns neuem Film spielen viele Stars über 70 mit. Das Berliner Naturkundemuseum dient für ein paar Szenen als Kulisse.

Nana Heymann
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Die Haußmanns. Der Sohn Leander führt Regie beim Kinofilm »Dinosaurier«, der Vater Edzard spielt eine Hauptrolle. Probleme gebe es...Foto: dpa

Im australischen Dschungelcamp Anfang des Jahres war ein buntes Tuch in den Haaren die einzige Zierde, die Ingrid van Bergen erlaubt war. Am Montagnachmittag sitzt die Schauspielerin auf einem Klappstuhl im Naturkundemuseum, wenige Meter von ihr entfernt steht der berühmte große Dinosaurier und direkt vor ihr eine Maskenbildnerin, die sorgfältig Make-up auflegt. Die Haare trägt van Bergen zu einem geflochtenen Zopf, sie sieht sehr adrett aus, fast bieder. Von der zerzausten Dschungelkönigin aus dem Fernsehen ist jedenfalls nicht mehr viel übrig.

Ingrid van Bergen gehört zum Darstellerteam von Leander Haußmanns neuem Film „Dinosaurier“, der zurzeit an verschiedenen Orten in und um Berlin gedreht wird und Anfang 2010 im Kino anlaufen soll. Er basiert auf Bernhard Sinkels Komödie „Lina Braake“ von 1975 und erzählt die Geschichte einer Pensionärin, dargestellt von Eva-Maria Hagen, die von einem windigen Bankberater, gespielt von Daniel Brühl, um ihr Geld und ihr Haus gebracht wird. Braake landet daraufhin im Altersheim, wo sie mit anderen Heimbewohnern den Plan fasst, ihren Besitz wieder zurückzuerlangen.

Für Leander Haußmann ist es ein ungewöhnlicher Dreh, vor allem, weil der Großteil des Filmteams bereits älter als 70 Jahre ist. Neben Eva-Maria Hagen (74) und Ingrid van Bergen (77) spielen Nadja Giller (80) und Walter Tiller (81) mit. Auch Ezard Haußmann (74), Vater des Regisseurs, hat eine Hauptrolle übernommen. Er musste für den Dreh die vielleicht radikalste Verwandlung über sich ergehen lassen: Maskenbildner haben sein üppiges Haupthaar unter einer Halbglatze verschwinden lassen. Die Arbeit mit seinem Vater sei unproblematisch, erzählt Leander Haußmann. „Wir können damit umgehen, es ist ja nicht das erste Mal, dass wir zusammenarbeiten.“

Daniel Brühl hingegen steht zum ersten Mal für Haußmann vor der Kamera und drückt mit seinen 30 Jahren das Durchschnittsalter etwas nach unten. Er spielt den skrupellosen Bankier Tobias Hardmann, für ihn gewissermaßen ein Debüt, denn zum ersten Mal in seiner Karriere schlüpft Brühl in die Rolle eines Bösewichts – und sieht dabei noch ziemlich albern aus. Die Haare legen sich in luftigen Löckchen um seinen Kopf, der Frauenschwarm verschwindet hinter dieser Aufmachung fast komplett. Ob es viel Überredungskunst bedurfte, Brühl derart zu verwandeln? Nein, sagt Leander Haußmann, er sei sehr gierig darauf gewesen, etwas Neues auszuprobieren.

Insgesamt 35 Drehtage sind für „Dinosaurier“ vorgesehen, bislang liegt das Team gut im Zeitplan. Der Stoff, sagt Haußmann, sei in den 70er Jahren, als das Original in die Kinos kam, nicht selbstverständlich gewesen. Mittlerweile aber hätten Produzenten die Zielgruppe jenseits der 50 erkannt. Insofern ist die Aussage des Films aktueller denn je: Menschen ab einem bestimmten Alter nicht zu unterschätzen. Wer hätte es schon Anfang des Jahres für möglich gehalten, dass RTL-Dschungelqueen Ingrid van Bergen jemals wieder eine ernst zu nehmende Filmrolle spielen würde.

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