Berlin : Filmfirmen wollen nicht weg vom Potsdamer Platz

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Um den Standort Potsdamer Platz streiten sich das Bundesgesundheitsministerium - und zwanzig Firmen aus der Film- und Medienbranche. Weil das Ministerium seine derzeit über Mitte verstreuten Berliner Standorte in dem Altbau an der Stresemannstraße 128 konzentrieren will, müssen die Gewerbetreibenden bis Ende des Jahres ausziehen. Die Mieter wehren sich gegen die Kündigungen - doch ihre Chancen stehen schlecht: Der Bund ist Grundstückseigentümer mit Eigenbedarf.

"Das darf doch nicht sein: Alle fordern, dass die Regierung nach Berlin kommt, und wenn der Schritt vollzogen wird, wird protestiert", sagt Helmut John, Sprecher für das Bundesvermögensamt bei der Oberfinanzdirektion Berlin (OFD). In Bonn arbeiten noch über 500 Mitarbeiter im Ministerium von Ulla Schmidt, in Berlin sind 109 Angestellte auf drei Dienststellen in Mitte verteilt. Nun sollen unter anderem die Ministerin, ihr Stab und die Bundesdrogenbeauftragte Ende 2005 in das 1919 errichtete Gebäude ziehen - doch zuvor müssen etwa die maroden Steigleitungen instand gesetzt werden, sagt Werner Pries, Referatsleiter im Gesundheitsministerium. Das Gebäude vor dem Abgeordnetenhaus - mit dem italienischen Restaurant im Erdgeschoss - gehörte vormals dem DDR-"Konsum", der Bund klagte den Besitz ein.

Nun prüfen die betroffenen Gewerbemieter den Gang zum Gericht. "100 Beamte des Gesundheitsministeriums brauchen rund 6000 Quadratmeter", heißt es in ihrer kämpferischen Presseerklärung. "Viele der Film- und Medienfirmen haben den Standort bewusst gewählt und gerade noch Studios teuer ausgebaut", kritisiert Eberhard Mutscheller von der "mpr-Unternehmensberatung", einer der Sprecher der "Interessensgemeinschaft Stresemannstraße 128". Die Behörde könnte doch auch in eines der leer stehenden Bundesgebäude ziehen, so Mutscheller. "Wir wollen nicht in Konkurrenz zu anderen gewerblichen Vermietern treten, sondern den Bundestag in Berlin unterbringen", hält OFD-Sprecher John dagegen.

Den Vermittlungsbemühungen der IHK-"Task Force" ist es offenbar zu verdanken, dass es nun das Angebot an die 20 Neue-Markt-Vertreter gibt, ihnen zwar zum 31. Juni zu kündigen, sie jedoch bis Jahresende im Haus zu dulden - die Bauarbeiten sollen Anfang 2003 beginnen. Der Bund bietet Ersatzstandorte an der Kronenstraße und am Gendarmenmarkt.

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