Berlin : Filmhaus am Potsdamer Platz: M wie Marlene - oder wie Maria

Andreas Conrad

Da lacht das Herz des Bastlers, besonders wenn er in der klebstofffreien Zeit ganz gerne mal ins Kino geht: das Haus von Norman Bates als Bausatz, schön knochenbleich das Material, nach dem Zusammenleimen in düsteren "Psycho"-Farben anzupinseln. Schade eigentlich, dass Hitchcock kaum ein Chance hat, in das Filmhaus am Potsdamer Platz mit seinem vorrangig die deutsche Kinogeschichte würdigenden Sortiment Eingang zu finden. Auch das Modellhaus, vor Monaten auf einer Hitchcock-Schau im fernen Sydney gesichtet, hat daher im neuen Museumsshop nichts zu suchen, versteht sich doch dieser "M Shop", wie das Filmhaus erläutert, als "Medium des Filmmuseums Berlin", sei daher "visuell und thematisch auf die Gestaltung der Ausstellung abgestimmt". Dies nicht allein, damit die Besucher ein Souvenir zur Erinnerung an die Museumsstunden erwerben können, sondern um damit zugleich "einen wesentlichen kommunikativen Beitrag für das Filmmuseum" zu leisten.

Dieses wurde Ende September eröffnet, mit Verzögerung, und der Museumsshop war gar nicht erst fertig geworden. Man suchte zu improvisieren, bot im wesentlichen Kataloge und andere Filmliteratur, dazu einige als Mitbringsel geeignete Dinge mit dem Museumsaufdruck, ein kleiner Vorgeschmack auf künftiges Merchandising.

Jetzt aber ist es soweit, die schöne neue Warenwelt der deutschen Filmgeschichte öffnet ihre Türen. Ab Mittwoch kann man dort shoppen gehen, neben den obligatorischen Büchern wird das Angebot an Postern, Postkarten und Videos angepriesen. Weiter gebe es eine Vielfalt an filminspirierten Geschenkideen, die aus Frankreich, Italien und den USA stammen - praktisch, so kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. Marlene-Dietrich-Accessoires sind darunter, Modeartikel, und aus dem Artikelfundus, den Regisseur Fritz Lang - wie das Museum hielt er den Buchstaben M für titelstiftend - beisteuerte, gibt es eine Replik der Maschinen-Maria, die Brigitte Helm in "Metropolis" darstellte.

Der "M Shop" wird vom Museum in Eigenregie betrieben, der Käufer tut zugleich Gutes: Die Erlöse kommen dem Museum für Neuanschaffungen und pädagogische Programme zugute. Als pädagogisch völlig wertlos, dafür filmhistorisch um so wertvoller, wäre wohl ein Gesellschaftsspiel aus den Sechzigern einzustufen, das dem Shop unbedingt zu empfehlen ist, sollte es aufgrund eines noch nicht absehbaren Karl-May-Revivals neu aufgelegt werden: "Winnetou I" als eine Art Mensch-ärgere-dich-nicht, mit niedlichen Plastikindianern und Cowboys als Spielfiguren. Es hat manches Taschengeld auf dem Gewissen.

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