Filmpalast : Chef des "Delphi" mit 102 Jahren gestorben

1932 gründete er sein erstes Kino, 1949 feierte er dann mit dem "Delphi-Filmpalast" Premiere. Weihnachten starb Walter Jonigkeit im Alter von 102 Jahren.

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Jonigkeit
Herr der Kinosessel. Walter Jonigkeit, kurz vor seinem 100. Geburtstag. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Den 60. Geburtstag seines Lieblingskinos, des Delphi in der Kantstraße, hat Walter Jonigkeit noch erleben dürfen. Das war am 3. November, ein halbes Jahr zuvor war er 102 Jahre alt geworden, doch trotz des hohen Alters komme er noch immer täglich ins Büro, wurde damals berichtet. Er war ja auch weiterhin einer der Geschäftsführer. Seit dem 25. Dezember müssen das Kino und die Berliner Filmfreunde ohne den Patriarchen, wie man ihn gerne nannte, auskommen: Wie erst gestern bekannt wurde, ist Walter Jonigkeit an jenem Weihnachtstag gestorben.

Auch wenn sein Name in der Öffentlichkeit zuletzt vor allem mit dem 1949 im Berliner Westen aus den Trümmern eines Tanzpalasts geborenen Delphi verbunden wurde, begann Jonigkeits Verbindung zum Kino schon viel früher. Als 18-Jähriger hatte er 1925 bei der Berliner Filmproduktionsfirma Trianon eine kaufmännische Lehre begonnen, sein Vater kannte den Prokuristen. Neun Jahre später übernahm er sein erstes Kino, die "Kamera unter den Linden", gegenüber dem heutigen Café Einstein - und nahm mit der Programmgestaltung das Konzept des Repertoirekinos vorweg. In dem darüber liegenden "Klub der Kamerafreunde" brachte er Stars wie Emil Jannings, Marianne Hoppe, Heinz Rühmann und Heinrich George mit ihrem Publikum zusammen. Und als Reklame legte er abgerissene Kinokarten in der S-Bahn auf die Sitze. "Die Kamera - Das Haus des guten Films" stand darauf, und es hat gewirkt.

Solche Anekdoten hatte er immer zur Hand, erzählte dann auch, wie er die Kapellen der West-Berliner Tanzlokale bestach, dass sie auch ja nur den "River- Kwai-Marsch" spielten, Reklame für den Kriegsfilm mit Alec Guiness. Das war 1958, 41 Wochen lang lief der Film und nur im Delphi. Wenn es um seine Lichtspielhäuser ging, war Jonigkeit eben sehr erfindungsreich, griff auch schon selbst zum Feuerwehrschlauch, um sie vor der Zerstörung zu bewahren, im Kriege, als die von ihm 1937 übernommene Kurbel in der Giesebrechtstraße in Flammen stand. Später lief dort "Vom Winde verweht", mit dem Brand von Atlanta - zwei Jahre und vier Monate.

Zeitweilig übernahm Jonigkeit weitere Häuser in Berlin wie auch in Hamburg und München. Verbunden ist sein Name aber vor allem mit dem Delphi, für das er 1984 Georg Kloster und Claus Boje mit ins Boot nahm und das er über alle Untiefen der Kinogeschichte zu steuern verstanden hatte. Bereits 1988 war ihm für seine Verdienste um die Filmwirtschaft das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen worden.

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