Filmpremieren in Berlin : Der Teppich kann gleich liegen bleiben

Auch nach der Berlinale nimmt der Glamour nicht ab. Allein in dieser Woche stehen vier Filmpremieren auf dem Programm, weitere folgen kurz danach.

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Zerbrochenes Ich. Antonia Campbell-Hughes spielt Natascha Kampusch. Foto: Constantin
Zerbrochenes Ich. Antonia Campbell-Hughes spielt Natascha Kampusch. Foto: Constantin

Ist nicht genau genommen immer Berlinale? Zugegeben, Bären gibt es nur einmal pro Jahr, aber man hat längst nicht mehr das Gefühl, dass der Glamourfaktor der Stadt nach Ende solch eines Festivals einen massiven Einbruch erleidet. Ständig wird hier gedreht, demnächst ruft etwa George Clooney sich selbst und seinen Kollegen Daniel Craig, Matt Damon, Cate Blanchett, Bill Murray und John Goodman „Action!“ zu, wenn er in Babelsberg mit „The Monuments Men“ beginnt. Pausenlos kommen Regisseure und Schauspieler in die Stadt, um sich zu ihren neuen Filmen ausfragen zu lassen, und der Rote Teppich wird ebenfalls unentwegt ausgerollt – so oft, dass sich die Filmgalas gegenseitig den Glanz wegzunehmen drohen. Solch ritualisierte Feiern auf einem Haufen neutralisieren sich eher, als dass sie ihre Strahlkraft bündeln.

Auch in dieser Woche wird es gleich mehrere Blitzlichtgewitter geben. Beispielsweise am Dienstagabend vor dem Cinestar am Potsdamer Platz, bei „Spring Breakers“. Das sind vier junge, mit Vorliebe in quietschbunten Bikinis herumtollende Studentinnen, die währnend der Zeit zwischen Winter- und Frühjahrsvorlesungen nach Florida fahren, um dort wie üblich die Sau rauszulassen. Allerdings wird das Geld knapp, was sie auf zweifelhafte Weise zu lösen versuchen – schon stecken sie in den Fängen eines Drogenhändlers. Kein harmloses Partyfilmchen also, was bereits daran abzulesen ist, dass Personen unter 18 Jahren nicht zugelassen sind. Die können Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine sowie den mit Rachel verheirateten Regisseur Harmony Korine eben nur leibhaftig, nicht auf der Leinwand bestaunen.

Stars in Berlin
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1 von 419Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Tags darauf geht es im Babylon am Rosa-Luxemburg- Platz weiter mit „Something Necessary“. Es ist der dritte Film des von Tom Tykwer und seiner Frau Marie Steinmann angestoßenen, in Berlin ansässigen Projekts One Fine Day Films, das junge afrikanische Filmemacher durch Workshops und bei daraus entstehenden Filmen unterstützen soll. Erwartet werden neben Tykwer und seiner Frau die Geschäftsführerin von One Fine Day Films, Sarika Hemi Lakhani, und Hauptdarstellerin Susan Wanjiru. „Something Necessary“ porträtiert eine Frau und einen Mann in Kenia, sie Opfer, er Täter bei den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen 2007/08. Er spiegelt die von Gewalt geprägte Situation des Landes wieder – und war während der Produktion direkt betroffen: Bei einer Fahrt vom Drehort nach Hause wurde ein Minibus der Produktionsfirma überfallen und eine Frau vergewaltigt.

Am Freitagabend kehrt der Premierenreigen zurück zum Potsdamer Platz, diesmal ins Cinemaxx. Gefeiert wird die Deutschlandpremiere von „The Butterfly’s Dream – Kelebegin Rüyasi“, und es ist, wie die zuständige PR-Firma schreibt, das erste Mal, dass ein türkischer Film Galapremiere in Deutschland hat. Erwartet werden neben Regisseur Yilmaz Erdogan die Schauspieler Kivanc Tatlitug, Belcim Bilgin, Mert Firat und Farah Zeynep Abdullah. Tatlitug, der in der Türkei, im arabischen Raum und auf dem Balkan ein Star ist, und Firat spielen zwei aufstrebende Jungdichter, die 1941 in einer Kleinstadt einer schönen, von Bilgin gespielten Frau verfallen und per Dichterwettstreit um ihre Gunst ringen, bis der Krieg sie einholt und sie Zwangsarbeit in den Bergwerken am Schwarzen Meer leisten müssen.

Ebenfalls im Cinemaxx am Potsdamer Platz wird am Sonntag die deutsche Premiere von „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ gefeiert. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Erfolgsautor Nicholas Sparks, der mit den Hauptdarstellern Julianne Hough und Josh Duhamel erwartet wird. Es geht um eine Frau mit mysteriöser Vergangenheit, die in einer kleinen Stadt in North Carolina auftaucht und sich zunächst von allen Bewohnern fernhält. Das hält sie nicht durch: Sie muss sich der Vergangenheit stellen.

Um die eigene Vergangenheit geht es auch in „3096 Tage“, dem letzten noch von dem 2011 gestorbenen Produzenten Bernd Eichinger angestoßenen Projekt. 3096 Tage – das war die Zeitspanne, in der Natascha Kampusch von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil gefangengehalten wurde. Zur Premiere am 27. Februar im Event-Cinema am Potsdamer Platz erwartet wird neben den beiden Hauptdarstellern Antonia Campbell-Hughes und Thure Lindhardt sowie Regisseurin Sherry Hormann, Kameramann Michael Ballhaus und Produzent Martin Moszkowicz auch Natascha Kampusch.

Bereits am Horizont erkennbar ist die Premiere von „Kon-Tiki“ am 6. März im International in der Karl-Marx-Allee. Angekündigt sind neben den Regisseuren Joachim Rønning und Espen Sandberg auch einige Darsteller sowie Nachfahren von Thor Heyerdahl. Der Norweger hatte 1947 mit einem Floß aus Balsaholz den Pazifik überquert. Er wollte so die Möglichkeit der Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus beweisen.

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