Filmstadt Berlin : Spielberg dreht im Stasi-Untersuchungsgefängnis

Für seinen Film über den ersten Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke zieht Regisseur Steven Spielberg mit seinem Team, darunter Hauptdarsteller Tom Hanks, in dieser Woche nach Hohenschönhausen.

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Go, Tom, go! Tom Hanks hat in Eisenhüttenstadt schon einmal einen Trabant gefahren. Derzeit steht er in Berlin vor der Kamera – natürlich in einem Ost-West-Drama.
Go, Tom, go! Tom Hanks hat in Eisenhüttenstadt schon einmal einen Trabant gefahren. Derzeit steht er in Berlin vor der Kamera –...Foto: dpa

Das Berliner U-Boot geht an diesem Montag in Moskau vor Anker. U-Boot? Berlin? Der für eine Stadt fern jeder Küste ungewöhnliche Schiffstyp ist selbstverständlich nicht real. Aber der Name „U-Boot“ hat sich für den Kellertrakt des ehemaligen, zur Gedenkstätte umgewandelten Stasi-Untersuchungsgefängnisses in Hohenschönhausen eingebürgert.

Dort beginnen an diesem Montag auf fünf Tage angesetzte Filmarbeiten: Regisseur Steven Spielberg dreht Szenen für seinen Film über den ersten Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke 1962 – und eine spielt eben in der Lubljanka, der Geheimdienstzentrale in Moskau. Das war der Schauplatz der Verhöre, die US-Pilot Gary Powers nach dem Abschuss seines Spionageflugzeugs U2 1960 über sich ergehen lassen musste.

Das „U-Boot“ war 1946 im Keller des Gebäudes in der Genslerstraße als zentrales sowjetisches Untersuchungsgefängnis eröffnet worden. 1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit die Anlage und erweiterte sie um einen Neubau, wie Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte, berichtet.

Auch der neuere Teil der Anlage wird für eine Filmszene genutzt. Dort war Frederic Pryror inhaftiert, der Spionage verdächtigter US-Student, neben Powers und dem sowjetischen Topspion Rudolf Abel der dritte Mann, der am 10. Februar 1962 ausgetauscht wurde.

Heute und morgen, so hat es Knabe erfahren, werden die Dreharbeiten vorbereitet, es folgen zwei Drehtage, am Freitag wird abgebaut. Ungefähr 80 Leute sollen dafür anrücken. Man werde wohl Teile der Ausstellung abschirmen müssen, damit sie nicht ins Bild geraten, auch solle ein Generator zum Einsatz kommen, der den Strom für die Beleuchtung liefert. Denn es wird wohl auch nachts gedreht: Filmleute und Besucher sollen sich möglichst nicht in die Quere kommen. Denn die Gedenkstätte bleibt geöffnet, nur müsse man eventuell die Besucher etwas umleiten, sagte Knabe. Aber sehr viele Gruppen hätten sich an diesen Tagen sowieso nicht angemeldet.

Nein, Steven Spielberg habe er noch nicht kennengelernt, hoffe aber sehr auf eine Begegnung – natürlich auch mit Tom Hanks, der eine Hauptrolle in dem Film spielt und sich bisher sehr interessiert an Ostdeutschland und seiner Geschichte gezeigt hat. Und Knabe hofft auch, dass die Welt durch den Film noch mehr von der Gedenkstätte und ihrer schlimmen Geschichte erfahre. Deswegen habe er die Dreharbeiten auch akzeptiert.

Am Wochenende geht der Dreh am zentralen Ort der Story weiter: auf der Glienicker Brücke.

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