Finanzierung : Mehr Geld für Frauenhäuser gefordert

12.11.2008 00:00 UhrVon Sabine Beikler

Der Senat finanziert 317 Plätze in sechs Frauenhäusern. Doch trotz Preissteigerungen und Tariferhöhungen hat die Stadt den Etat nicht erhöht.

Jede vierte Frau in Deutschland hat laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums in ihrer Partnerschaft Gewalt erfahren. Dabei genügt es oft nicht, dass die Polizei prügelnden Männern das Betreten der Wohnung verbietet. Die Gefährdung durch den gewalttätigen Partner ist häufig so groß, dass den Frauen nur die Flucht ins Frauenhaus bleibt. 2007 haben in Berlin 1420 Frauen und 1379 Kinder in den sechs Frauenhäusern Schutz gefunden – eine leichte Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren. Trotz Preissteigerungen und Tariferhöhungen hat der Senat aber den Etat für die Frauenprojekte im Antigewaltbereich seit Jahren nicht erhöht. Jetzt fordern Politikerinnen wie Evrim Baba (Linke) und Ramona Pop (Grüne) und das Bündnis der Berliner Frauenhäuser ein höheres Budget.

Der Senat finanziert die 317 Plätze in den Frauenhäusern mit 2,84 Millionen Euro pro Jahr. Weitere 40 Zufluchtswohnungen mit 117 Plätzen für Frauen und 140 für Kinder werden mit 970 000 Euro jährlich bezuschusst. Diese Plätze jedoch reichen nicht aus. „Es gibt regelmäßig Engpässe“, berichten Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und auch Irma Leisle, Leiterin des Beratungstelefons für hilfesuchende Frauen. Der Senat finanziert diese Hotline mit 245 700 Euro pro Jahr. 2007 gingen dort 7244 Anrufe ein.

Deutschlandweit suchen pro Jahr rund 40 000 Frauen mit ihren Kindern Schutz in Frauenhäusern. „Nach wie vor sind die Frauenhäuser nicht finanziell abgesichert“, sagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irmgard Schewe-Gerigk. Viele Frauenhäuser finanzierten sich über Tagessätze, die jeweils gesondert beantragt werden müssten. In einigen Bundesländern müssten Schutz suchende Frauen auch Anträge auf Kostenübernahme stellen, beziehungsweise bei eigenem Einkommen den Aufenthalt selbst finanzieren. „Man sollte stattdessen die prügelnden Männer finanziell zur Verantwortung ziehen“, sagt Schewe-Gerigk. Die Grünen fordern bundesweit einen einkommensunabhängigen Zugang in Frauenhäuser ohne Eigenbeteiligung, wie es in Schleswig-Holstein, Hamburg und in Berlin möglich ist. Am heutigen Mittwoch findet im Bundestag eine Anhörung zur Situation der Frauenhäuser statt. Sabine Beikler

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