Berlin : Finanzkrise der Berliner Bäder: Ein Sommer für Trockenschwimmer

Christian Domnitz

Badelustige Berliner bleiben diesen Sommer auf dem Trockenen sitzen: Wegen finanzieller Nöte werden die Bäderbetriebe einige ihrer Freibäder erst gar nicht öffnen. Auch Hallenbäder sollen im Sommerhalbjahr zeitweilig geschlossen werden. "Wir hatten ein schlechtes Geschäftsjahr, außerdem müssen wir Kürzungen vom Senat hinnehmen", sagt Manfred Radermacher, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe (BBB). Weil die Finanzen konsolidiert werden müssten, habe sich das Unternehmen entschieden, unrentable Bäder im Sommer 2001 nicht in Betrieb zu nehmen.

Wer sich in der Sommerhitze mit Badehose und Handtuch zu den Freibädern in Grünau, Friedrichshagen, Wendenschloss, Halensee oder Jungfernheide auf den Weg macht, wird vor verschlossenen Türen stehen. Auch das Marzahner Kinderbad "Platsch" und die Sommerbäder in Tegel und Humboldthain werden stillgelegt sein, wenn die anderen Freibäder am 5. und 19. Mai öffnen. Die Badezeiten dort werden auf 10 bis 19 Uhr verkürzt.

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Zudem werden mehrere Hallenbäder im Sommer für einen oder mehrere Monate geschlossen: Die Schwimmhallen Paracelsusbad, Spandau-Nord, Wuhlheide und in der Steglitzer Bergstraße werden zeitweilig außer Betrieb genommen. "Wir haben auf die Flächendeckung geachtet", sagt Radermacher, jedoch sei es möglich, dass mancher Badegast "etwas weiter laufen muss".

Die Bäderbetriebe wollen auch bei den Personalkosten sparen: 130 Saisonarbeiter werden diesen Sommer nicht eingestellt. "Wir werden die Einrichtungen nur mit dem Stammpersonal betreiben", sagt Radermacher. Entlassungen werde es nicht geben. "Wir hoffen, mit den Einschnitten die Kürzungen durch den Senat zu kompensieren", sagt Radermacher. Bis Ende Mai würden die Bäderbetriebe ein Konzept ausarbeiten, das die Berliner Schwimmbäder zurück in die schwarzen Zahlen führen soll.

"Seit Jahren ist klar, dass die Bäderbetriebe in einer schwierigen Situation sind", sagt Thomas John, Sprecher der Senatssportverwaltung. Er gehe davon aus, dass der Bedarf für 2001 trotz der Schließungen gedeckt sei. In dem Konzept sollten die Bäderbetriebe ein Mindestangebot festsetzen, das dauerhaft finanzierbar sei. Es werde dabei auch endgültige Bäderschließungen geben, sagte John. Gegen das drohende Aus für das Freibad Jungfernheide hat sich unterdessen eine Bürgerinitiative formiert, die bereits rund 4000 Unterschriften gesammelt hat.

Der Senat unterstützt die Bäderbetriebe dieses Jahr mit 84 Millionen Mark, das sind 7,5 Millionen Mark weniger als im Vorjahr. Zum Ende des vergangenen Jahres mussten Günter Kube und Dietmar Ranz ihre Posten im Vorstand der Bäderbetriebe aufgeben, nachdem der Aufsichtsrat das Management heftig kritisiert hatte.

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