Berlin : Finanzsenator: Kitas müssen mitsparen

Viele Bezirke befürchten, dass ab Januar Erzieher fehlen

Thomas Neubacher-Riens

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hält an den Sparplänen für die Berliner Kitas fest. Damit laufen zum 31. Dezember alle Zeitverträge für Erzieher aus; die Zahl der Kinder in den Hortgruppen steigt im Durchschnitt von 16 auf 22. Sarrazin wies aber Berichte zurück, wonach es in den Kitas von Januar an zu wenig Personal geben wird. Der Senator sagte, er habe die Bezirke aufgefordert, die am Jahresanfang noch rund 130 überzähligen Erzieher einzusetzen. Sollten die Lücken damit nicht geschlossen werden können, würden wieder Zeitverträge abgeschlossen.

Ob die Kitas die Personalkürzungen ab Januar auf diese Weise auffangen können, bleibt dennoch unklar. In den Westbezirken fehlen laut offizieller Statistik 147 Pädagogen. Die Bezirke Kreuzberg-Friedrichshain, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Mitte und Spandau rechnen mit Problemen. So meldete die Jugendstadträtin Sigrid Klebba dem Finanzsenat für ihren Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain 40 fehlende Erzieher. Der Senat habe den Bedarf aber auf 20 Stellen heruntergerechnet, sagte sie. „Wir versuchen, Erzieher aus dem Überhang zu bekommen, aber der steht nur rechnerisch zur Verfügung, praktisch nicht. Zusagen für Zeitverträge haben wir nicht erhalten“, erläutert Sigrid Klebba. Zwangsversetzungen von Erziehern hält sie für „nicht realistisch". Wie sich der Erziehermangel in Friedrichshain-Kreuzberg auswirkt, zeigt sich in einer Kita am Mehringdamm. Hier mussten Gruppen zusammengelegt werden; eine Erzieherin hütet zeitweise 30 Kinder. Die Folgen sind unübersehbar: Trockene Kinder nässen wieder ein, die Aggressionen nehmen zu.

Auch in Steglitz-Zehlendorf wird Personal gesucht: „Ab Januar fehlen uns 21 Erzieher, das entspricht 200 Kindern“, rechnet Jugendstadträtin Anke Otto vor. Sie bezweifelt, dass im Januar Erzieher aus Hellersdorf den Kita-Frühdienst ab 6 Uhr in Zehlendorf übernehmen und bereitet sich vor: „Wir brauchen ab Januar einen Notplan, um alle Kinder betreuen zu können.“ Wie der aussieht, beschreibt sie so: „Wir legen Gruppen mit Kindern ab zwei Jahren zusammen, stocken die Zahl der Kinder in den Gruppen auf und fassen vereinzelt die Früh- und Spätdienste mehrerer Kitas in einer Einrichtung zusammen." Elternvertreter wie Jochen Fest befürchten, dass es dann zu „Kinder-Karawanen“ im Bezirk kommt, wenn Zweijährige im Winter von einer Kita zur anderen umziehen müssen. In der Kita Flanaganstraße fallen vier Erzieherinnen aus. Der Leiter Reinhardt Schubert hat den Mangel bereits verteilt. Vor den Eltern zog er daraus seine pädagogische Bilanz: „Wir retten uns über die Woche, die Pädagogik bleibt auf der Strecke.“

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