• Finanzsenator wählt neuen BVG-Chef im Alleingang Senat und Vorstand waren vorher nicht informiert. Andreas Sturmowski ist umstritten

Berlin : Finanzsenator wählt neuen BVG-Chef im Alleingang Senat und Vorstand waren vorher nicht informiert. Andreas Sturmowski ist umstritten

Klaus Kurpjuweit

Die Wahl des neuen BVG-Vorstandsvorsitzenden Andreas Sturmowski war am Schluss ein Alleingang von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Als Aufsichtsratsvorsitzender der BVG war er bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef federführend. Weder Kollegen im Senat noch der BVG-Vorstand waren vorher informiert – und sind nun irritiert. Die Suche nach einem neuen Vorstand sei allein eine Angelegenheit des Aufsichtsrates, kommentierte Sarrazins Sprecher Matthias Kolbeck. Und die Suche sei vertraulich. Der BVG-Vorstand wurde offiziell erst gestern informiert. Ob Sturmowski der richtige Mann für die BVG-Spitze ist, bleibt umstritten.

In Hannover ist Sturmowski derzeit Geschäftsführer des Nahverkehrsunternehmens Intalliance, das der Bahn AG, dem Verkehrsbetrieb Üstra und der Norddeutschen Landesbank gehört. In der gemeinsamen Gesellschaft fahren die Straßenbahnen und Busse der Üstra und die S-Bahnen von DB Regio.

An dem Versuch, Ende der 90er Jahre BVG und S-Bahn in Berlin zu vereinigen, war Sturmowski ebenfalls beteiligt. Damals saß er auf Seiten der Bahn für den Bereich Stadtverkehr auf der Verhandlungsseite. Aus der Fusion, die die damaligen Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Klaus Landowsky und Klaus Böger, vorangetrieben hatten, wurde aber nichts.

In Hannover hatte sich Sturmowski kurz nach Amtsantritt bei der Intalliance mit der Üstra angelegt. Seine Absicht, auch Chef bei der Üstra werden zu wollen, hatte die Arbeitnehmervertreter des Verkehrsbetriebes und Politiker aufgebracht. Der Chefsessel bei der Üstra blieb Sturmowski am Ende verwehrt. Stattdessen nahm dort ein Mann aus Berlin Platz. André Neiß war von 1994 bis 2002 bei der BVG Direktor für den Bereich Rechnungswesen und Finanzen.

Die Suche nach einem Nachfolger für den am 30. März gestorbenen BVG-Chef Andreas Graf von Arnim war schwierig. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich nach Tagesspiegel-Informationen in die Suche eingeschaltet. Groß war die Auswahl am Ende nicht mehr; zuletzt hatte auch der Bahn-Manager Wolfram von Fritsch aus Niedersachsen abgesagt.

Der neue Mann an der BVG-Spitze muss nicht nur die mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldete BVG sanieren. Nach dem Abschluss eines Tarifvertrages mit erheblichen Einkommenskürzungen, die auch für den Vorstand gelten, ist der Gestaltungsspielraum dabei aber gering. Der „Neue“ muss darüber hinaus auch die Mitarbeiter hinter sich bringen, wenn er Erfolg haben will. Und das kann ein langer Weg werden. Sein Vorgänger war von der eigenen Belegschaft auf Versammlungen ausgepfiffen worden.

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